„Es handelt sich hierbei um ein noch in der Erprobung befindliches Schmerzmittel, das jedoch für den Tod des Patienten 416 nicht verantwortlich ist“, kam er sogleich zur Sache. „Der Mann starb an einem Herzversagen!“
Das Präparat der Vita Pharma enthielte nur einige Zusätze, erklärte er weiter, die das Schmerzempfinden umkehren und in ein Hochgefühl verwandeln sollten.
Vivian Muller war zwar erst Assistenzärztin, aber ein Herzversagen war dies in der letzten Nacht mit Sicherheit nicht gewesen, wie sie ihrem Chef selbstbewußt mitteilte. Viel zu lange hatte der Patient mit dem Tode gerungen.
„Sie zweifeln meine Kompetenz an?“
Unerwartet scharf kam die Frage, und Vivian schüttelte energisch den Kopf. Niemals hätte sie es gewagt, Diagnosen ihres Vorgesetzten in seiner Gegenwart laut anzuzweifeln.
„Sicher nicht“, begann sie zaghaft. „Aber ich war dabei. Der Mann hatte hohes Fieber. Und letzte Woche starb diese Frau auf meiner Station. Sie hatte das gleiche Medikament erhalten.“
Der Kopf des Chefarztes ruckte hoch, seine Augen fixierten die junge französische Ärztin.
„Wie lange sind Sie im Beruf, Dr. Muller?“
Was nun folgte war klar. Der Professor hielt ihr unverblümt vor Augen, daß sie noch vieles zu lernen hatte, quasi noch nichts wußte und schickte sie kurz darauf wieder auf ihre Station. Als Vivian das Büro verließ, traf sie auf die Nachtschwester, die vor dem Zimmer wartete und einen ziemlich gehetzten Eindruck machte; eigentlich hatte sie schon längst Feierabend. Sie ließ sie durch die noch geöffnete Tür treten, schloß diese, ging ein paar Schritte und wartete.
Die Stimme des Professors, obwohl gedämpft, drang dennoch bis hinaus auf den Flur.
„Wie können Sie dieses Medikament nur im Zimmer eines Patienten vergessen? Sie haben doch genaueste Order, es sofort nach Verabreichung wieder zurückzubringen!“
Es folgte ein betretenes Schweigen, während Vivian nur ein heftiges Stühlerücken wahrnahm.
„Das war Ihr letzter Fehler, Schwester Gerhild! Ich hoffe, wir haben uns verstanden.“
Noch immer war kein Wort von seiten der Krankenpflegerin zu vernehmen, stattdessen wurde die Tür geöffnet und die Frau huschte auf den Flur. Augenblicklich setzte Vivian ihren Weg fort, als hätte sich soeben in ihrem Rücken nichts Beachtenswertes ereignet. Ohne zu zögern lief sie zu ihrer Station, öffnete den Medikamentenschrank und betrachtete sich die Reihen der Fläschchen, die auf der linken und jene auf der anderen Seite. …
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