Einige Sekunden noch lauschte der Mann ins Telefon, danach legte er auf.
„Gehen Sie zum rechten Fahrstuhl und fahren Sie in den 26. Stock. Zimmer 2609.“
Still war es hier in der Halle, beinahe unheimlich. Ohne sich zu bedanken lief Hermann los, dieser Kerl war ihm unsympathisch. Daß es so einfach wäre, zu Grabows Büro vorzudringen, hätte er sich nicht träumen lassen. Mutterseelenallein durchquerte er die riesige Lobby mit ihrem glänzenden marmornen Fußboden und den schweren Deckenleuchtern, und schon stand er mit Brutus am Lift, drückte den Knopf, wartete, bis sich die Tür fast lautlos öffnete und betrat zusammen mit dem Hund den Fahrstuhl.
Nie in seinem Leben war Brutus mit einem derartigen Gefährt unterwegs gewesen, sein schräg gestellter Kopf und seine nach innen gebogenen Beine zeugten von einer großen Unsicherheit, als sich der Lift mit einem sanften Ruck in Bewegung setzte. Die beiden waren die alleinigen Fahrgäste, der Lift fuhr ziemlich rasch, und noch ehe sie das 26. Stockwerk erreicht hatten, bildete sich unter Brutus’ Bauch eine kleine Pfütze. Es war dies seine eigene Art Angst auszudrücken, Hermann ließ ihn gewähren. Was auch hätte er tun sollen.
Zimmer 2609 lag ziemlich in der Mitte des Korridors, und Hermann übersah es, weil er seine Aufmerksamkeit auf die falsche Seite richtete, erst auf seinem Rückweg erkannte er die Zimmernummer. Brutus fest an der Leine, ein unbekümmertes Gesicht zur Schau tragend, so klopfte er entschlossen an die Tür.
Es dauerte nur wenige Sekunden, und eine dunkelhaarige Frau in einem grünen Kostüm öffnete ihm die schwere Bürotür. Ihre Augen leuchteten voller Erwartung als sie Brutus erblickte, und noch bevor Hermann sich vorstellen und den Grund seines Besuches erklären konnte, faßte sie den Hund am Hals. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen zeigte sie nicht die geringste Scheu vor dem riesenhaften Tier.
„Du bist aber ein feiner Kerl“, entfuhr es ihr begeistert. „Wie heißt er denn?“
„Brutus!“ bekam sie wahrheitsgemäß zur Antwort.
„Brutus? Das ist ein ungewöhnlicher Name. Na, komm mal zu mir, Brutus!“
Das ließ sich der Hund nicht zweimal sagen, erhoffte er doch den einen oder anderen Leckerbissen, und lief schnurstracks in das Büro der Frau Raabe, Hermann dicht hinter sich. Grabows Sekretärin war eine Hundenärrin, wie man sie nur selten fand, Hermann konnte dieser Umstand nur recht sein. Sie wollte Brutus gar nicht mehr loslassen, der Hund legte sich schließlich auf den Rücken und ließ sich den Bauch kraulen. …
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