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…  Hermanns Zuversicht schwand, je weiter er sich dem Parterre näherte. Zusammen mit dem Leuchtzeichen wies ein heller Klingelton darauf hin, daß das Ziel erreicht war. Diesmal öffnete sich die Türe ziemlich geräuschvoll, wie Hermann empfand.  
Die Halle war in diesen Minuten leider ganz und gar nicht menschenleer, und alle Besucher schienen zu den Aufzügen herüber zu gaffen. Besonders auf seine Beinkleider starrten sie, deren linkes Hosenbein über dem Knie ein deutlich sichtbares Rechteck aufwies. Der griesgrämige Pförtner telefonierte gerade, als Hermann nebst Hund dem Fahrstuhl entstieg und sich langsam dem Ausgang näherte. 
Es gab einen triftigen Grund, warum er so gemächlich ging: Das Bild war seinen Fingern entglitten und begann, langsam im Hosenbein hinunter zu rutschen. Schnell nahm er die Hand aus der Tasche, griff den Stoff seitlich und zog so fest daran, daß er sich um seinen Oberschenkel spannte und somit das Bild am Weiterrutschen hinderte. Gerade noch rechtzeitig. Einen Wimpernschlag später, und er hätte die Fotografie nicht mehr halten können. Leider sah es nun so aus als humpelte er, als hielte er sich eine Wunde, als hätte Brutus vor einer Sekunde unversehens zugebissen. Dies alles jedoch hielt ihn nicht auf. Unbeirrt näherte er sich dem Ausgang, befand sich nur noch wenige Schritte davon entfernt, als er von dem außergewöhnlich grimmig dreinblickenden Pförtner angerufen wurde.
„Halt!“ dröhnte es von der gläsernen Loge herüber, und als Hermann keinerlei Anstalten machte stehen zu bleiben, verließ der Mann seinen Kasten und rannte ihm hinterher.
„Sie dort! Bleiben Sie stehen!“ rief er erneut, und mittlerweile hatten sich alle Augen in der Lobby auf Hermann gerichtet. Alle! Es hatte den Anschein, als würden selbst von der Straße Menschen hereinschauen. Entnervt blieb Hermann stehen, bekam ein feuerrotes Gesicht. 
So ein Mist! dachte er, und die Enttäuschung brach in ihm durch, nun haben sie mich doch erwischt. Und der Hund an seiner Seite spürte die Nervosität seines Herrchens genau.
„Kommen Sie mit“, herrschte das brutale Pförtnergesicht ihn an, und der Mann wollte Hermann am Arm packen, was Brutus jedoch durch ein drohendes Knurren unterband. Der Hund stellte sich sofort zwischen die beiden Männer und schickte einen mindestens ebenso unfreundlichen Blick nach oben zu dem vermeintlichen Aggressor. Der Pförtner wich einen Schritt zurück, und sein Ton wurde ein wenig verträglicher. …
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