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… “
19 Uhr 03. Die Nachrichten hätten längst beginnen müssen. Nachdem zwei weitere Stühle herbeigebracht wurden, hob Bernd am Mikro seine Hand zum Zeichen, der Regisseur gab seinerseits grünes Licht, scharf beobachtet von dem wachsamen Beamten an seiner Seite. Es ertönte die Erkennungsmelodie der Nachrichten - und Bernd war auf Sendung. 
„Guten Abend, meine Damen und Herren“. Bernd räusperte sich, seine Stimme hatte sich ein wenig belegt. „Ich bitte um Entschuldigung, daß die Nachrichten heute abend etwas später beginnen und - etwas anders ablaufen werden, als Sie es erwartet haben. Aber es liegt ein dringlicher Grund vor: Es betrifft … uns alle.“   
Danach stellte er sich vor, nannte tatsächlich seinen vollständigen Namen, erzählte kurz worum es ging und warum sie sich für diese Form der Unterrichtung entschieden hatten.
„In dieser Angelegenheit ist es für viele von uns bereits fünf nach zwölf, wie Ihnen im Anschluß unser Gast versichern wird, der es sich nicht nehmen ließ, heute persönlich hier zu erscheinen. Nicht ganz freiwillig, wie ich betonen möchte.“ 
Während eine der Studiokameras auf Anweisung des Regisseurs den noch immer gefesselten Minister, der in seinen Pantoffeln unruhig neben Lothar stand, kurz in Großaufnahme zeigte, um beim Zuschauer größeres Interesse zu entfachen, leider nur von hinten, erzählte Bernd seine spannende Geschichte. Irgendwann bat er Hermann an seine rechte Seite, der ein paar ergänzende Worte sprach, sodaß innerhalb kürzester Zeit ein komplexes Bild der Lage entstand, wie es treffender und klarer nicht hätte sein können. 
„Nun fragen Sie sich natürlich, was an dieser Sache dran ist und ob wir das beweisen können. Ich denke, das können wir!“
Bei diesen Worten gab Bernd seinem Exkollegen Lothar ein Handzeichen. Der packte den Minister an der Schulter, führte ihn zum Tisch und setzte ihn mit etwas Nachdruck links neben Bernd auf den dritten Stuhl. Völlig verunsichert, was er sagen sollte, blieb er erst mal stumm, den Blick starr auf die Handschellen gerichtet, die man ihn freundlicherweise weiter tragen ließ.   
„Sie dürfen jetzt beginnen. Wie heißen Sie?“ richtete Bernd die provokante Frage an ihn.
Provokant aus dem Grunde, weil ihn jeder im Lande kannte.
„Mein Name ist …“ noch zögerte er. 
Lothar stand unweit des Mannes, zog unbemerkt von den Zuschauern seine Waffe, und sofort fiel dem Manne ein, wer er war.
„Mein Name ist Dr. Josef Meininger. …
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