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…  Ein Resultat dieses Aufpralls dürfte doch wohl eine Verformung der Kugel sein, oder nicht?“ Sein Blick richtete sich auf Bernd.
„Das steht außer Zweifel“, antwortete dieser kauend.
„Wie ich bereits gesagt habe, diese Kugel war ohne jegliche Schramme. Kein Kratzer am Mantel, sie glänzte wie neu, nachdem eine Schwester sie abgewaschen hatte.“
Bernd hatte sein Mahl unterbrochen und blickte Rüdiger erstaunt an. Immer mehr aus der Runde hörten auf zu essen, und mit einemmal ruhten viele Augenpaare abwechselnd auf Bernd und Rüdiger, der nun seinerseits bedient wurde und sogleich genüßlich zu speisen begann.
„Ich erinnere mich gut an den Fall“, sagte Bernd, „und ich glaube, daß Alex seinerzeit darüber berichtet hat, nicht wahr, Alex?“
„Das ist richtig.“
Mehr war von Alex nicht zu hören.
„Das Geschoß“, fuhr Bernd fort, „das bei uns gelandet ist, war derart verformt, daß wir es wiegen mußten, um das Kaliber genau zu bestimmen.“
„Dann muß dieses kleine ‚Malheur’ beim Transport zu euch passiert sein“, entströmte es Rüdiger nicht ohne Süffisanz. „Denn bei uns im OP war die Kugel noch ohne jede Scharte.“
„Und wieso hat man davon nichts in deinem Blatt gelesen, Alex?“ fragte Felix interessiert und nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Weizenbierglas.
„Eine gute Frage“, räumte Alex ein. „Wir können natürlich nur das berichten, was man uns erzählt.“ 
Damit wanderte sein Blick zu Bernd, der mittlerweile weiteraß, wie alle anderen auch.
„Du solltest dir wieder einen Hund zulegen, Hermann. Was meinst du?“ tastete sich Walter vorsichtig an die noch immer trauernde Seele seines Freundes heran.
Hermann zuckte mit den Schultern, und sein schüchterner Blick traf den seiner Frau Vera.
   Über dem Stammtisch schwebte ein beinahe erdrückendes Fragezeichen, und einzig Horst, der Versicherungsmensch, brach das betretene Schweigen mit der lapidaren Feststellung, daß schließlich überall Fehler gemacht würden, auch bei der Polizei. Damit aber konnte und wollte sich Hermann nicht zufriedengeben. 


Kapitel II



   Gemächlich bog der blaue Kastenwagen in die menschenleere Allee ein, fuhr entlang der knorrigen Eichen bis hin zur breiten asphaltierten Auffahrt des Seniorenheims ,Santa Anna’, passierte die offene Halbschranke, deren hinterer Bereich einen Teil seiner Farbe eingebüßt hatte und Rost ansetzte, und hielt direkt vor dem flachen Nebengebäude, in dem die kleine Behelfsküche untergebracht war. …
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