Verdammt, was will dieser Kerl von mir? zermarterte sich Hermann erneut das Gehirn und beschleunigte unwillkürlich seinen Lauf. Wie ein entfernter Schatten folgten ihm die Beine des Fremden, schienen gar näher zu kommen.
Wenn er mich hier attackiert, resümierte Hermann besorgt, stehen meine Chancen schlecht. Sehr schlecht sogar. Aber warum sollte er mich attackieren?
Hermann war mit seinen 1 Meter 70 weder sehr groß noch besonders kräftig, und schon bereute er es bitter, diesen Spaziergang am heutigen Nachmittag alleine unternommen zu haben. Deutlich tauchten in seiner Erinnerung die Schlagzeilen aus den Tageszeitungen der letzten Monate auf. Schlagzeilen, die sich auf eine sonderbare, auf eine makabere Weise ähnelten: Häufig war darin zu lesen gewesen, daß ältere Menschen leblos aufgefunden worden waren. Meist Personen über 60 und stets in so guter körperlicher Verfassung, daß nicht mit einem unverhofften Ableben zu rechnen war. Dennoch ergaben die Untersuchungen niemals einen gewaltsamen Tod, das heißt, es wurde keinerlei Fremdeinwirkung festgestellt.
Einer, so erinnerte sich Hermann, war im Wald in einer Pfütze ertrunken, die weniger als dreißig Zentimeter tief war und von LKW - Reifen herrührte, die sich tief in den lehmigen Boden eingegraben hatten. Ein anderes Mal hatte sich ein Mann bei einem Sturz den Schädel eingeschlagen, und einmal wurde ein Spaziergänger von einem herunterfallenden Ast erschlagen. Auch Frauen befanden sich unter den Opfern. Mit großer Sorge hatte Hermann diese Berichte seinerzeit zur Kenntnis genommen.
Unaufhaltsam kam die fremde Gestalt näher, befand sich nur mehr zwanzig Meter hinter ihm. Alles in Hermann drängte ihn weiterzugehen. Es stand außer Zweifel, daß dieser Mensch sein vorheriges Rufen gehört hatte, gehört haben mußte. Aber der Grund, warum er nicht antworten wollte, blieb Hermann verborgen.
In einer Entfernung von zirka 500 Metern konnte er schon die Unterführung ausmachen, die die Schnellstraße unterquerte. Dort führte eine schmale bemooste, und daher etwas glitschige Treppe hinauf zur Fahrbahn. Wenn er die erreichen könnte, wäre es bis zu seiner Rettung nicht mehr weit. Aber 500 Meter waren eine gewaltige Strecke.
Sein rascher Gang und die meist nach hinten gerichteten Augen führten letztendlich dazu, daß er strauchelte und mit dem rechten Fuß umknickte. …
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