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…  Ein stechender Schmerz im Knöchel war die Folge, Hermann fiel hinter einer Eiche unsanft auf die rechte Hüfte. Der weiche Waldboden linderte den Aufprall ein wenig, der Pensionär richtete sich auf, hielt sich im Sitzen den schmerzenden Fuß, dabei suchten seine Augen ängstlich diesen so überaus hartnäckigen Verfolger. Der ließ nicht lange auf sich warten.  
   Hermann Odendahl sah die Person noch immer nicht, aber er konnte sie hören. Es waren keine schweren Schritte, die sich da näherten. Beinahe erwartete er, im nächsten Augenblick ein Kind zu erblicken, so leicht und flink klangen die Tritte jetzt; als würde sein Verfolger rennen. Weil ihm der dicke Baum den Blick auf den Weg nach hinten versperrte, mußte sich Hermann ein wenig vorbeugen, versuchte, sich aufzurichten, aufzustehen, stützte sich mit der Linken am Stamm ab. Da erblickte er die Gestalt. 
Nur wenige Meter entfernt von ihm war sie stehen geblieben. Erst jetzt erkannte Hermann, daß ihm die ganze Zeit über eine junge Frau gefolgt war, und er verspürte den Hauch einer Erleichterung. Ihr genaues Alter vermochte er nicht zu schätzen, zu sehr hinderten ihn die späte Stunde daran, das diesige Wetter und nicht zuletzt der braune Schal, den sie um Hals und Mund gewickelt hatte. Auch der Mantel war braun. Unter ihrem gleichfalls braunen Hut konnte er kurzes dunkles Haar ausmachen – und dunkle Augen. Stechende dunkle Augen.  
All dies wäre noch kein Grund zur Besorgnis gewesen. Als die Frau jedoch näher trat, bemerkte Hermann Odendahl mit Grauen, daß sie etwas in ihrer Hand hielt. Ein Schirm war es offenbar nicht, dazu war der Gegenstand zu dünn, und für einen Spazierstock war er nicht lang genug. Verzweifelt suchten Hermanns zusammengekniffene Augen die Unterführung, die aber war mehrere hundert Meter entfernt, unerreichbar, es war hoffnungslos. Wieder richtete sich sein banger Blick auf die Gestalt, die nunmehr dicht vor ihn getreten war.  
   Wie ein finaler Schock, wie ein unwiderrufliches Todesurteil unmittelbar vor der Vollstreckung breitete sich in seinem Kopf die furchtbare Erkenntnis aus, daß diese Person ein metallenes Werkzeug in ihren in schwarzen Lederhandschuhen steckenden Händen hielt! Es sah aus wie ein verlängerter Schraubenschlüssel, wie man ihn beim Radwechsel benötigte, um die Schrauben so fest anzuziehen, damit sie sich auch bei hoher Geschwindigkeit nicht lösten. Das Werkzeug war etwa einen halben Meter lang und am Ende gebogen. …
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