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… 
„Jemanden erschlagen wegen eines Parkplatzes?“ sprudelte es aus Edith heraus, die sich bisher kaum an der Unterhaltung beteilig hatte.
„Es sind schon Menschen aus weit geringeren Anlässen umgebracht worden, Schatz“, fügte Walter hinzu und wurde von der Kellnerin unterbrochen, die einen dampfenden Teller mit saftigem Rehbraten vor ihm auf dem Tisch plazierte. Alle Augen der Gruppe richteten sich unwillkürlich auf das duftende Gericht. Nach und nach erhielt ein jeder sein Essen, die Unterhaltung geriet ein wenig ins Stocken. 
„Es sind auch schon Menschen gestorben“, nahm Felix den Faden noch einmal auf, „und niemand hat bemerkt, daß sie umgebracht worden sind.“
Ratlose Stille machte sich am Tisch breit, und geradezu peinlich schrill erklangen die Geräusche der anderen Gäste, verursacht von Messern und Gabeln.
„Wie meinst du das?“ kam es forsch von Horst.
„Laß dir mal von Rüdiger die Geschichte erzählen“, endete Felix und widmete sich seinem Rumpsteak mit Pfifferlingen.
Rüdiger war der einzige, dessen Speise noch nicht serviert worden war, daher naschte er schon mal am Teller seiner Gattin Ilona, die nichts dagegen einzuwenden hatte. Seine unbenutzte Serviette wieder zusammenfaltend, begann er mit seiner Erzählung.
„Kurz vor meiner Pensionierung brachten sie uns einen Mann in den OP, der vom Querschläger einer Polizeikugel getroffen worden war, wie es hieß; ihr habt davon in der Zeitung gelesen.“
„Das war diese Geiselnahme in der Stadtsparkasse“, rief Felix das Drama allen noch einmal ins Gedächtnis, „vor zwei Jahren im Sommer. Als zwei Bankräuber erschossen wurden und ein Kunde.“
Bernd nickte bestätigend. Es war damals seine Aufgabe gewesen, zusammen mit seinem Stab die verworrenen Hintergründe dieser Bluttat aufzudecken. 
„Der Mann, es war dieser Kunde, war um die 60“, setzte Rüdiger seine Erzählung fort, „und ist mir unter den Händen gestorben. Es war nicht das erste Mal, daß ich eine Kugel aus einem Kopf herausoperiert habe, aber die Behauptung, es handelte sich um einen Querschläger, würde ich nicht ohne weiteres unterschreiben.“
„Wieso nicht?“ fragte Bernd interessiert und stellte sein Glas ab.
„Dann korrigiere mich jetzt bitte, wenn ich einen Denkfehler begehe, lieber Bernd. Du hast mit Kugeln mehr Erfahrung als ich. Aber das Projektil, das ich aus dem Schädel geholt habe, ist durch das Auge eingedrungen und war völlig unversehrt. Meiner Ansicht nach müßte ein Querschläger, um diesen Namen überhaupt zu verdienen, von einem anderen, einem harten Gegenstand, der seine Richtung wesentlich verändert, abprallen. …
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