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Feuerrot erglühte die gläserne Front des Hochhauses in der späten Nachmittagssonne mitten im Frankfurter Finanzzentrum. Einem monumentalen Bildschirm nicht unähnlich spiegelten sich vorübereilende Wolkenfetzen darin, bis sich die Sonne hinter einer dicken tiefliegenden Nebelwand versteckte. Mit ihr verschwand auch das eitle Schauspiel auf der Fassade. Grau, düster und kalt blickten die Fensterscheiben mit einemmal herab, wie ein stilisierter, babylonischer Argus schienen sie das pulsierende Verkehrsgewimmel weit unten zu verfolgen.
Im 26. Stockwerk des Gebäudes thronte Rudolf Grabow hinter seinem wuchtigen Schreibtisch. Er war Ende Dreißig, groß, untersetzt, und sein Hinterkopf zeigte bereits einige typische dünnbesiedelte Stellen. Routiniert drückte er auf eine der Ruftasten und versuchte dabei, des Chaos’ auf seiner Tischplatte Herr zu werden. Eine adrett gekleidete Sekretärin trat ein und wurde von Herrn Grabow nach Hause geschickt.
„Ich brauch Sie heute nicht mehr. Wünsche einen schönen Abend, Frau Raabe.“
„Danke, ebenso. Bis morgen. Tschüs!“ flötete es zurück.
Sie ging hinaus, verschloß die Tür, Grabow beschäftigte sich noch einige Minuten mit seinen Schreibtischpapieren, bevor er aufstand, zur Tür hinüber lief, sie einen Spalt öffnete und hinausspähte. Das Vorzimmer war verwaist, er befand sich alleine in dem großen Büro. Sofort kam Bewegung in den Mann. Eilig lief er zum Computer, drückte einige Tasten und nach kurzer Zeit begann der Drucker mit dem gewohnten Staccato seine Arbeit. Es dauerte nicht lange, und Grabow hielt das Resultat in Händen. Er verstaute die beiden vollgeschriebenen DIN à4 Blätter in einem braunen Couvert, legte dasselbe in einen gefüllten schwarzen Aktenkoffer, schaltete alle Geräte aus und verließ das Büro.
Ein Taxi brachte ihn zum Zoo. Grabow kaufte sich eine Eintrittskarte und machte sich auf den Weg zum Bärengehege. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, daß er etwas früh dran war. Der, den er hier treffen wollte, würde noch nicht anwesend sein. Also lenkte er seine Schritte in Richtung der Seelöwen. Bald schon konnte er den permanenten Fischgeruch in der Luft schmecken, der das Becken umgab. Zwei Kalifornische Seelöwen teilten mit ihrer schwarzen Brust das kalte Wasser, drehten sich auf den Rücken, tauchten ab, schwammen bis zum Beckenrand, wendeten elegant und setzten mit kaum wahrnehmbaren Bewegungen der weichen Flossen ihren Weg fort. …
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