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…  Nun wurde es Helga zu bunt. Sie blickte um sich, wie eine Furie rannte sie den Flur entlang, griff sich den erstbesten Arzt und zerrte ihn zu Felix hin.
„Wenn Sie nicht sofort meinen Mann versorgen, passiert hier ein Unglück!“ schrie sie ihn an.
War es die Drohung in ihrer Stimme, die den Arzt zum sofortigen Handeln bewegte, oder waren es die verständnislosen Blicke der herbeieilenden Schwestern, genau konnte man es nicht sagen. Das Blut in der Schüssel jedenfalls war nicht der Anlaß. 
   Kurz nachdem Felix auf der Liege in der Ambulanz untergebracht war, kollabierte er. Die Schwester bat Helga draußen zu warten, aber das war mit ihr nicht zu machen. Sie bahnte sich ihren Weg, setzte sich neben ihren ohnmächtigen Mann und war nicht mehr von der Stelle zu bewegen. Während der Arzt die noch immer stark blutende Wunde versorgte, kümmerte sich eine Schwester liebevoll um den Bewußtlosen. Sie hielt ihm Riechsalz unter die Nase, der unangenehme beißende Geruch brachte Felix rasch wieder zu sich. Er hatte viel Blut verloren. Der Mediziner gab ihm eine Betäubungsspritze, reinigte die Wunde am Handgelenk und nähte sie mit acht Stichen, bevor er den Patienten der Schwester überließ, die einen blitzsauberen Verband anlegte.
In der Zwischenzeit fragte eine Krankenhausangestellte Helga nach den Personalien. Felix war noch ein wenig benommen, aber nachdem die Formalitäten erledigt waren, ließ er sich von seiner Gattin zum Wagen und sogleich nach Hause bringen. Dort verließen ihn erneut die Kräfte, er schaffte es gerade noch aufs Sofa, wo er mit rasendem Puls und schneller Atmung liegenblieb.
In höchstem Maße beunruhigt griff Helga zum Hörer und rief Rüdiger an. Der war zwar nicht mehr als Unfallchirurg tätig, wohnte aber ganz in der Nähe. Sie schilderte ihm, was geschehen war, er versprach sofort zu kommen. Nur wenige Minuten später war er zur Stelle, besah sich Felix genauestens und gab ihm eine Injektion. 
   Seit mehr als zwei Jahren war Professor Rüdiger Becker schon in Pension, aber seine Notfalltasche stand immer bereit und war stets auf dem aktuellen Stand. Die stark blutende Wunde hatte bei Felix einen Schock ausgelöst, der sowohl von der Höhe des Blutverlustes her rührte als von der Tatsache überhaupt. Viele Menschen fallen um, wenn sie ihr eigenes Blut sehen, und Felix hatte jede Menge davon sehen müssen. Nach kurzer Zeit erholte sich der Patient soweit, daß er ansprechbar war. 
„Und der behandelnde Arzt hat dir nichts gegeben? …
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