Felix schüttelte den Kopf, und auch Helga konnte sich an keine weitere Medikation erinnern.
„Es ist eine unglaubliche Fahrlässigkeit von diesem Arzt gewesen, dich einfach so nach Hause fahren zu lassen“, polterte Rüdiger los. „Das ist unverantwortlich! Wie heißt dieser Mensch?“
Weder Felix noch seine Gattin wußten den Namen des Mediziners. Sie hatten nicht auf ein Namensschild geachtet, zu sehr waren sie mit dem blutenden Arm beschäftigt gewesen und mehr noch mit dem bedauerlichen Umstand, daß es heutzutage offenbar nicht mehr so einfach war wie früher, in der Anonymität eines öffentlichen Krankenhauses unverzüglich Erste Hilfe zu bekommen, auch wenn man sie dringend benötige.
***
Vera wartete. Genervt legte Hermann die Zeitung beiseite, der Inhalt war kaum mehr zu ertragen. An allen Enden fehlte dem Staat Geld, der allgegenwärtigen Korruption standen Tür und Tor offen. Die Krankenkassen hatten ihre Beiträge alleine in diesem Jahr zweimal erhöht und prophezeiten für das kommende Frühjahr eine weitere Anhebung. Die Renten waren, nachdem sie mehrere Jahre schon nicht mehr an der progressiven Lohnentwicklung teilgenommen hatten, nun - allen Verträgen zum Trotz - gar deutlich reduziert worden; ähnlich abwärts ging es mit den Pensionen. In mehreren Schritten war die Auszahlung der Ruhegelder vom Anfang des Monats an dessen Ende verlegt worden, dadurch erhielten die Empfänger innerhalb dieses Jahres ihre Bezüge quasi nur elfmal. Und sie zahlten dafür deftige Steuern! Ein Novum in der deutschen Geschichte.
Die Arbeitslosengelder betrugen nur noch einen kümmerlichen Bruchteil des letzten Gehaltes, die Arbeitslosigkeit hatte einen Stand von über 14 % erreicht, gewisse Regierungskreise spielten bereits mit dem Gedanken, die Sozialhilfe einzustellen. Allen Ortes spürte man die Unzufriedenheit.
Im Stadtteil der Odendahls schaltete man die Straßenbeleuchtung erst lange nach Einbruch der Dunkelheit ein, mitunter wurde ganz darauf verzichtet. Auch die Müllabfuhr erschien schon lange nicht mehr regelmäßig.
Ein in seiner Unsinnigkeit nicht zu überbietendes Gesetz, eingebracht von einer konfusen, in Auflösung begriffenen Regierungskoalition, hatte Arbeitslosen- und Sozialhilfe kurzerhand zusammengelegt. Aber die Betroffenen kamen erst in den Genuß derselben, wenn sie alle während eines langen Arbeitslebens angesparten Mittel restlos aufgebraucht hatten und kurz vor einem Umzug unter die nächste Brücke standen. …
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