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… 
   Dies war nicht sein erster Einsatz gewesen, aber der erste dieser Art. Juri wußte nichts von der außerplanmäßigen Aktion. Denn heute hatte Nico ohne Auftrag gehandelt, aus freien Stücken quasi. Und er konnte nicht behaupten, es hätte ihm keine Freude bereitet. Im Töten hatte er bereits eine gewisse Routine entwickelt. Das Leben jener Menschen interessierte ihn nicht, wie ihn das Leben anderer ohnehin nicht kümmerte.  
   Innerlich war Nico gefroren. Der Krieg auf dem Balkan hatte ihn abgestumpft, seit er einst mit ansehen mußte, wie sein jüngerer Bruder Ivor von einer Granate zerrissen wurde und er danach vergeblich versuchte, dessen Kopf wieder auf seinen Hals zu setzen. Geschrien hatte der Bruder nicht, dafür blieb ihm keine Zeit. Nico mußte sich anschließend schnell vor dem gegnerischen Feuer zurückziehen und wußte bis heute nicht, wo sein Bruder begraben war. All das lag viele Jahre zurück. Jetzt war er hier. Nun verdiente er sich sein Geld mit einer Arbeit, die ihm, wie er heute eindrucksvoll demonstriert hatte, zuweilen richtig Spaß machte.

***

   Felix’ Haus lag in einer ruhigen Wohngegend, die Nachbarn kannten sich, man half sich gegenseitig, man achtete auch mal auf das Grundstück des anderen, wenn der verreist war. Seine Gattin Helga, mit Schürze und Kopftuch, war gerade beim Wohnungsputz und schaffte es einfach nicht, die gläserne Wohnungstür zum Glänzen zu bringen. Die Reste eines widerspenstigen Aufklebers bereiteten ihr große Schwierigkeiten, sie kratzte mit ihren Fingernägeln, wischte mit einem Tuch, drückte es auf das Glas, hatte aber nur bescheidenen Erfolg.
„Felix! Sei so lieb und versuch du es mal“, rief sie ihrem Gatten zu, der im Wohnzimmer saß und staunend eine nicht enden wollende Verkehrsmeldung im Radio verfolgte.  
Sofort kam er in den Flur gelaufen, besah sich ihr Problem und schüttelte den Kopf.
„So geht das nicht, Schatz“, sagte er erheitert, als er den dünnen Lappen erblickte. „Ich hole einen Schaber.“  
Schon war er unterwegs in den Keller, und eine Minute später versuchte er sich an dem klebrigen Rückstand. Felix drückte und schabte. Aber er war kein Handwerker, seine Domäne waren immer schon die Zahlen gewesen. Er preßte den Schaber ein wenig zu fest gegen das Glas, die Scheibe brach und stürzte in den Vorraum. Das laute Klirren der Scherben auf dem steinernen Fußboden war noch nicht verklungen, als Helga schon herbeigeeilt kam.
„Die schöne Tür“, sagte Felix betroffen und starrte auf das Malheur vor seinen Füßen. …
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