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…  
„Um Gottes Willen“, entfuhr es seiner Gattin, „was ist mir deiner Hand?“
Am Boden unter Felix’ rechter Hand bildete sich eine Blutlache, die beängstigend rasch wuchs. Der Mann schaute auf seinen Unterarm, und erst jetzt entdeckte er die Schnittverletzung. Sie war so fein, so zart, daß er es nicht einmal gespürt hatte, wie er sich beim Brechen der Scheibe verletzt hatte. Im Reflex griff er nach der Wunde, versuchte, die Blutung zu stoppen, aber die Lebensflüssigkeit rann durch seine Finger hindurch. Erst als Helga mit dem Verbandskasten anrückte und eine straffe Kompresse anlegte, ließ der sprudelnde Blutfluß etwas nach. 
Augenblicklich stiegen die beiden in ihren dunkelgrauen BMW, und Helga chauffierte ihren Mann eiligst zum Städtischen Krankenhaus. Während der ganzen Fahrt hielt Felix sein Handgelenk mit der Kompresse fest umklammert, penibel darum bemüht, ja kein Blut auf den Sitzbezug tropfen zu lassen.   
   Helga parkte den Wagen unmittelbar am Eingang auf einem Behindertenparkplatz, und als sie gemeinsam zur Ambulanz eilten, war das Hemd ihres Gatten bereits blutüberströmt. Eine Schwester empfing ihn und setzte ihn sofort auf einen Stuhl vor einem der Behandlungsräume. Sie rief laut nach einem Arzt, es erschien ein junger Mann im blütenweißen Kittel. Er sah sich die Wunde nur kurz an, danach fiel sein Blick auf das bleiche Gesicht des Patienten. Geschäftig nickte er, und Sekunden später war er zusammen mit der Schwester wieder verschwunden, Helga und Felix blieben alleine vor dem leeren Behandlungszimmer auf dem Flur sitzen.
Das Blut lief mit der Zeit um die Wette. Felix’ linke Hand, mit der er seine Wunde verbissen umklammert hielt, war längst eingeschlafen - der Arzt kam nicht zurück.
„Können Sie nichts für meinen Mann tun?“ fragte Helga, die aufgestanden war, eine vorübereilende Schwester. „Er blutet so stark!“ 
Die Frau sah die blutende Wunde, sah die Pfütze auf dem Boden und ging zum Telefon. Sie wählte eine kurze Nummer und man konnte hören, wie sie mit einem Arzt sprach, ihn aufforderte, sogleich dringend nach dem Patienten zu sehen. Die junge Schwester legte auf und brachte eine nierenförmige Metallschüssel hinüber zu Felix, damit dessen Blut nicht weiter auf den hellen Fußboden tropfte. Anschließend wischte sie die Blutlache auf.
„Der Arzt sagt, er kommt gleich“, beruhigte sie die beiden Wartenden und ging wieder ihrer Tätigkeit nach.
Weitere kostbare Minuten verstrichen, während sich der Boden der Schüssel tiefrot färbte. …
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