In Gedanken griff sich Lothar an seinen verletzten Arm, während Hermann drei Gläser Waldhimbeergeist einschenkte. Er selbst bevorzugte ja eher den Kirschlikör, seiner Süße wegen. Heute aber öffnete er die Flasche mit dem klaren aromatischen Inhalt aus einem bestimmten Grund: Bernds emotionale Ansprache auf dem Marktplatz vor Wochen hatte eine unerwartet heftige Resonanz zur Folge gehabt. Die deutschen Ruheständler waren erwacht, waren aufgerüttelt worden, legten ihre Schüchternheit ab und traten offen für ihre Bedürfnisse ein. Eine Lobby begann sich im Land zu manifestieren, eine Lobby, die viele Millionen Mitglieder zählte. Ihr sollten alle ehemaligen Berufsgruppen angehören, alle Stände, alle Interessengemeinschaften, jeder, der durch diese unvorstellbaren Machenschaften des Staates in Mitleidenschaft gezogen worden war. Und Bernd sollte sie in eine gemeinsame Richtung lenken, sollte sie dazu bewegen, ihre durchaus nicht unbescheidene Macht zu demonstrieren; und dies, wenn es sein mußte, mit dem nötigen Nachdruck. Auch mit Gewalt. Denn Gewalt wurde ihnen von vielen Seiten selbst zugefügt.
Hermann, Bernd und Lothar waren sich einig, ihr nächstes Unternehmen war beschlossene Sache, und selbst Bernd, sonst unglaublich asketisch lebend, genoß an diesem Tag das kalte Feuer des Inhaltes des kleinen Schnapsglases. Am kommenden Wochenende war es soweit.
Kapitel XIV
Als er vor dem riesigen Gebäude stand, mußte sich Hermann eingestehen: Diese Aufgabe hatte er sich leichter vorgestellt. Ehrfurchtsvoll wanderte sein Blick die gläserne, scheinbar ausschließlich aus Fenstern zu bestehende Fassade hinauf bis zur dreißigsten Etage, ihm wurde schwindelig. Schon von hier unten besaß dieses Bauwerk Dimensionen, die einem den Atem stocken ließen. Wie gewaltig mußte erst der Eindruck sein, den man von dort ganz oben bekam. Hermann wollte gar nicht daran denken. Ihm wurde schon mulmig, wenn er sich ein wenig zu weit über ein Balkongeländer lehnte.
Um hierher nach Frankfurt zu gelangen, hatte Hermann auf sein geliebtes Automobil verzichtet, es Vera überlassen, die ihrem Physiotherapeuten einen Besuch abstatten mußte. Wegen eines Halswirbels, nichts Gravierendes. Brutus, vor die schwierige Wahl gestellt, wen er denn nun begleiten wollte, hatte sich spontan für Hermann entschieden, indem er sich neben ihn stellte. Als Vera jedoch Anstalten machte, das Haus als erste zu verlassen, kehrte Wankelmut ein in das treue Hundeherz; …
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