Frau Raabe saß halb auf dem Schreibtisch und sprach mit dem Anrufer, als sich Hermann verabschiedete. Ein wenig seltsam sah er schon aus mit der einen Hand in der Tasche, während die andere den Hund zu bändigend versuchte. Er nickte der Frau zu, die machte unmißverständliche Anstalten ihn zurückhalten zu wollen, aber Hermann deutete mit seinem wiegenden Kopf an, daß es Zeit sei wieder zu gehen und hauchte ihr ein „Danke“ entgegen. Brutus stieß die Dame kurz mit der Schnauze an, und schon waren die beiden im Flur. Drinnen plauderte Frau Raabe weiter.
Jetzt galt es, das Gebäude auf dem schnellsten Wege zu verlassen. Denn wenn die Sekretärin den Verlust des Bildes bemerkte, würde sie sogleich den Pförtner alarmieren. Und mit dem war nicht gut Kirschenessen. Wie eine Ewigkeit erschien es Hermann, bis einer der Aufzüge erschien, mehr als einmal schielte er nach der Bürotür der Frau Raabe, die jedoch blieb verschlossen. Beim Öffnen der Fahrstuhltür sträubte sich Brutus, wollte zunächst nicht einsteigen, die Erinnerung an seine erste Fahrt war noch zu frisch. Aber mit einem energischen Ruck an der Leine schaffte es Hermann, den starken Hund in den Lift zu ziehen. Im Augenblick konnte er keine Rücksicht nehmen auf das Tier. Abwärts ging die Fahrt.
Wie gelangte er nun unbehelligt aus dem Gebäude? In Hermanns Kopf jagten sich verwegene Szenen. Er sah sich ergriffen vom Pförtner, sah sich in demütigender Weise dastehen, das entwendete Bild kleinlaut wieder ausliefernd, sah sich in einem Polizeiwagen abgeführt, mit Handschellen gefesselt, als gemeiner Dieb.
Sollte es wirklich zum Schlimmsten kommen, könnte ihm vielleicht Lothar aus der Patsche helfen. Aber auf welchem Revier saß der? Und wie viele Schmidts gab es bei der Frankfurter Polizei? Diese Gedanken wurden immer heftiger, plastischer, und im gleichen Maße preßte sich seine Hand auf das rutschige Bild in seinem Hosenbein, wollte es auf keinen Fall wieder loslassen.
Die Fahrt nach unten dauerte ungewöhnlich lange. Ob die Sekretärin den Verlust bereits bemerkt hatte? Ob der Mann an der Pforte schon gewarnt war? Ob Brutus ihm würde helfen können? …
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