Rasch hatte Hermann den Hauptbahnhof verlassen, sich in ein Taxi gesetzt und vom Fahrer durch den dichten Berufsverkehr ins Finanzzentrum der Mainmetropole chauffieren lassen.
Beinahe mit Gewalt löste Hermann nun seinen bangen Blick vom Gipfel des hohen Gebäudes und konzentrierte sich wieder auf sein Vorhaben. Die Eingangstür fest im Blick, Brutus an der Leine, setzte er sich in Bewegung und betrat das glitzernde Hochhaus. Ein uniformierter Pförtner, grauhaarig, aber erst Ende Vierzig, thronte hinter einer spiegelnden Glasscheibe, überschaute die menschenleere Lobby, und sein grimmiger, wacher Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes. Gemächlich näherte sich Hermann mit Brutus, sah sich um, erspähte die Fahrstühle, über deren Türen aufgeregt kleine Lampen blinkten, und trat schließlich an die Pförtnerloge.
„Guten Tag! Ich möchte zu Herrn Grabow. Würden Sie wohl die Freundlichkeit haben, mir den Weg zu erklären?“
Mehr sagte Hermann nicht, vielmehr ruhten seine Augen nun auf dem starren Gesicht des Gebäudewächters, dessen Blick wiederum auf Brutus geheftet war.
„Den Hund können Sie nicht mit raufnehmen“, kam es warnend aus seinem Mund, während er in einem Verzeichnis blätterte.
„Aber er gehört ihm! Es ist seiner.“
Mit dem Brustton der Überzeugung kamen diese Worte über Hermanns Lippen, unterstrichen von einem heftigen Nicken.
Die mißtrauische Stimmung des Wachmannes wurde um keinen Deut verträglicher, als er zum Hörer griff und eine vierstellige Nummer wählte. Es läutete lange, während dessen Brutus den Versuch unternahm, selbst mit jenem mürrischen Menschen Freundschaft zu schließen, was jedoch auf wenig Gegenliebe stieß. Hermann blickte um sich, er war der einzige Besucher hier. Endlich meldete sich eine Stimme am anderen Ende.
„Ja, Frau Raabe“ begann der Pförtner, „Ich habe hier einen Mann, der zu Herrn Grabow möchte, zusammen mit seinem Hund.“
Der Mann lauschte in die Muschel.
„Ja“, sprach er weiter, „ein riesiger Hund. Im ersten Moment könnte man ihn für einen Esel halten. Ja. Einen Augenblick!“
Er nahm den Hörer vom Ohr und wandte sich an Hermann.
„Was wünschen Sie von Herrn Grabow?“ wollte er nun wissen.
Auf diese Frage war Hermann nicht vorbereitet. Was konnte man von einem Herrn Grabow wollen? Nichts wollte er von ihm. Im Gegenteil.
„Ich habe etwas für ihn!“ entfuhr es Hermann geistesgegenwärtig, „nur abzugeben. Dann bin ich schon wieder weg.“
…
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