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…  Herr Grabow hat hier einen hochdotierten Posten, warum sollte er den ohne triftigen Grund aufgeben?“
Gründe gäbe es da einige, dachte Hermann, seine eigentliche Aufgabe nicht aus den Augen verlierend. Er brauchte ein Bild von Grabow. Deshalb war er hierhergekommen, nur deswegen. Und schon hatte er den nächsten Einfall. Er war selbst überrascht, wie ihm am heutigen Tag die Ideen nur so zuflogen. 
„Hat er denn keinen Stellvertreter, der Rudolf?“ fragte er unvermittelt, um noch anzufügen: „Wie sieht er denn heute überhaupt aus? Ich habe ihn ja … lange nicht gesehen.“
Daß er Grabow noch nie im Leben zu Gesicht bekommen hatte, konnte er unmöglich zugeben. Folglich war er über diese Notlüge ganz glücklich.
„Im Vergleich zu früher hat er wohl ein bißchen zugenommen, und seine Haare werden dünner“, kam es spontan von der Sekretärin, was Hermann mit einem leisen Lachen quittierte. „Nein, einen Stellvertreter hat er nicht. Er macht alles alleine.“
Frau Raabe überlegte. Schließlich wanderten auch ihre Augen zu Grabows Tür hinüber. Mit einem Ruck erhob sie sich.
„Wissen Sie was? Ich gehe einfach davon aus, daß ihm vielleicht etwas zugestoßen ist! Warum also sollte ich nicht in sein Büro gehen? Schließlich hat er nichts zu verbergen.“
Mit diesen Worten ging sie zur Tür, öffnete sie und betrat Grabows heilige Gefilde. 
Nichts zu verbergen? Wenn du wüßtest, dachte Hermann, war aber sofort an ihrer Seite.
„Fassen Sie bloß nichts an!“ hob sie warnend ihre Stimme, und weil Brutus nicht alleine bleiben wollte, trottet er gemütlich hinterdrein.
Grabows Büro hatte beeindruckende Ausmaße, war sehr hell, und man besaß von hier oben einen märchenhaften Ausblick über die Stadt. Allzu dicht mochte Hermann jedoch nicht an eines der von außen verspiegelten Fenster gehen, ein unwohles Gefühl in seiner Magengegend wußte dies erfolgreich zu verhindern. Wie ein Abgrund fiel die Fassade senkrecht in die Tiefe, Hermann schauderte und drehte sich um.
In diesem Büro war nichts Ungewöhnliches auszumachen, wenn man von dem großen Börsenbarometer absah, das die gegenüberliegende Wand zierte. Ein gigantischer Schreibtisch, Computer, Zubehör, mehrere Telefone, eine Fotografie an der Wand mit drei Personen darauf. 
„Sehen Sie dort? So sah er vor zwei Jahren aus, unser Herr Grabow.“
Die Frau deutete auf das Foto, mit dem Hinweis, es sei während einer Ehrung für herausragende Leistungen des Vorstandes des Versicherungskonzerns gemacht worden. …
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