Hermann, der noch immer keinen Schimmer hatte, was er dieser Dame sagen sollte, sah sich unterdessen im Zimmer um. Dies aber war leider nur das Sekretariat, Grabows Reich begann erst jenseits der nächsten Tür, und nichts deutete in diesen Wänden auf seine Anwesenheit hin, wie es überhaupt ein äußerst feminines Zimmer war. Auf dem Schreibtisch, neben einem superflachen Monitor, stand eine kleine Blumenvase mit zierlichen weißen Nelken darin, kleine Tonfiguren verteilten sich auf der Tischplatte, und auf dem Fenstersims, neben einem verträumt blühenden Kaktus, saß in sich zusammengesunken eine bunte Marionette mit Porzellankopf, deren Fäden am Fenstersims herunterhingen.
Gerade hatte Brutus behaglich zu brummen begonnen, als Frau Raabe aufstand, um ihre Schublade nach etwas Freßbarem für ihn zu durchstöbern.
„Lassen Sie mal“, sagte Hermann beschwichtigend, „er hat zu Hause wirklich genug zu fressen.“
Dennoch kramte die Frau unermüdlich weiter. Hermann jedoch wollte endlich zu seinem Ziel gelangen. Nur ungern unterbrach er die Dame bei ihrer Suche, aber es mußte sein.
„Frau Raabe“, begann er behutsam. „Wo finde ich denn nun Herrn Grabow?“
„Herr Grabow ist seit mehreren Tagen nicht ins Büro gekommen“, erwiderte sie treuherzig, und vertraulich fügte sie hinzu: „Ich befürchte fast, daß ihm etwas zugestoßen ist. Er ruft nicht an, schickt keine Nachricht, langsam beginne ich mir ernsthaft Sorgen zu machen. Das hat er noch nie getan. Er ist sehr zuverlässig, sehr sorgfältig.“
Sorgfältig. Das konnte Hermann bestätigen, denn Grabows Aktionen waren in der Tat sorgfältig geplant und durchgeführt worden. Wenn er eines nie vermissen ließ, dann war dies die Sorgfalt.
„Hat er nichts gesagt? Vielleicht hat er eine Nachricht auf seinem Schreibtisch hinterlassen. Man verschwindet doch nicht so ohne weiteres“, hakte Hermann nach, und wieder richtete sich sein Blick auf die verschlossene Tür zum Nebenraum.
Frau Raabe dachte einen momentlang nach, bückte sich und begann aufs neue Brutus zu streicheln, dabei überlegte sie angestrengt. Endlich schien sie den Anflug einer Idee zu haben.
„Direkt gesagt hat er nichts. Er redet nicht allzuviel über Privates. Aber in letzter Zeit, so scheint es mir, hat er ein paarmal angedeutet hier aufhören zu wollen und sich einen neuen Wirkungskreis zu suchen. Ich habe das nicht ernst genommen. Niemand hat das ernst genommen. …
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