„Verbrennen bei lebendigem Leib“, sagte er seinerzeit, „ist wohl das Schlimmste, das einer Kreatur widerfahren kann. Und dabei braucht man nicht einmal ins finstere Mittelalter zu gehen, als man Menschen wegen geringfügiger Vergehen verbrannte. Selbst stumme Tiere wie Schlangen geben im Falle ihres bevorstehenden Feuertodes unerträgliche Geräusche von sich, hervorgerufen durch unerträgliches Leid.“
Nun, verbrannt war der Herr Finanzsekretär nicht, das hätten sie sicher geschrieben. Wie also ist er ums Leben gekommen? Diese Frage stellte sich Hermann ein ums andere Mal.
„Ich denke, es war ein gewaltsamer Tod. Selbstmord oder Mord. Etwas anderes kommt für mich überhaupt nicht in Frage“, sagte er zu Vera, indem er die Zeitung zusammenfaltete.
Vera konnte dem nur zustimmen, und das Bügeleisen in ihrer Hand wurde mit einemmal fest auf das gepolsterte Brett gepreßt. Hochkonzentriert führte sie den heißen Stahl über die Knopflochreihen, über die Schultern des Hemdes. Drückte, als es galt den Kragen zu plätten, noch etwas fester.
„Mittlerweile gibt es doch in diesem Land fast niemanden mehr, der nicht eigenhändig mithelfen würde, wenn es darum ginge, einen dieser korrupten Politiker zu beseitigen“, entfuhr es ihr wütend.
Der Hemdkragen war inzwischen so glatt und dünn geworden, als hätte er minutenlang in der Heißmangel gesteckt. Niemals zuvor war ein Hemd von Hermann mit so viel Inbrunst und Emotionen malträtiert worden wie am heutigen Tag.
Hermann nickte beiläufig, denn inzwischen hatte er das Couvert geöffnet, welches Bernd ihm hatte zukommen lassen und das einen Artikel enthielt, der ihn mächtig zu interessieren schien. Der Artikel war auf dem PC geschrieben, mit Schrade unterzeichnet und an Bernd geschickt worden, der nach seiner Rede auf dem Wiesbadener Marktplatz im Land bekannt war wie ein bunter Hund.
Der Name Schrade ließ bei Hermann ein winziges Glöcklein läuten. Erst vor kurzem hatte er diesen Namen gelesen. Der Artikel landete auf der Tischplatte, seine Hand tastete nach der Zeitung. Eilig blätterte er sie durch, nach wenigen Seiten schon fand er den Namen, zusammen mit einem schwarz umrandeten Bild. …
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