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…  Auf dem gnadenlos harten Steinboden lagen mehrere aufgeklappte Pappkartons, darauf einige zerschlissene Schlafsäcke, ausgefranste schmuddelige Decken, ein paar Rucksäcke undefinierbarer Farbe standen unbeachtet herum.  
   Vierzehn Wohnsitzlose hatten sich in jener Nacht hier versammelt, unter ihnen drei Frauen. Weinflaschen kreisten, man unterhielt sich lautstark; die Thematik ließ keine philosophischen Hintergründe erkennen. Zwei etwa fünfzigjährige Männer mit dichten Bärten gerieten in Streit. Der eine, wesentlich größer und erheblich dicker als sein Kontrahent, stieß den anderen immer wieder grob vor die Brust und wollte ihm eine Flasche Korn wegnehmen.
„Das ist meine!“ brüllte er seinem Gegner mit monotoner Stimme immer wieder mitten ins Gesicht. „Die habe ich gekauft.“ 
„Geklaut!“ zischte es aus einer Ecke.
„Scheißegal!“ 
Der Schwergewichtige ließ sich nicht beirren, war aber zu langsam, um die Flasche in seinen Besitz zu bringen, sodaß das Gerangel nicht aufhören wollte.
Es war gegen 1 Uhr, die Stadt langsam zur Ruhe gekommen, als ein weiterer Besucher die Unterführung betrat. Mit schlurfenden Schritten näherte sich der Nachzügler dieser pittoresken Gemeinschaft. Auch er trug ziemlich zerlumpte Klamotten, sein Gesicht jedoch erschien eine Spur zu gepflegt. Seine Ohren zierte ein Kopfhörer, dem harte Heavy Metal Rhythmen entströmten, was den Mann veranlaßte, beim Gehen unablässig den schwarz gelockten Kopf nach vorne zu strecken und wieder zurückzuziehen, einer umherlaufenden Taube nicht unähnlich. Seine Füße steckten in zwei Plastikbeuteln, was den Eindruck erweckte, als hätte sein Schuhwerk lange schon ausgedient.   
In beiden Händen trug er je eine Einkaufstüte. Dem hellen Klang nach zu urteilen, der verräterisch aus dem Innern jener Taschen tönte, handelte es sich bei dem Inhalt eindeutig um Trinkbares. Sofort war er umringt von streng riechenden neugierigen Gestalten, die den Versuch unternahmen, in diese beiden Tüten hinein zu schauen. Er ließ sie gewähren. Ließ es sogar zu, daß eine klebrige, schmutzige, in einem fingerlosen Wollhandschuh steckende Hand hineinfaßte und vorsichtig eine der Weinflaschen herauszog. Die Flasche mit dem italienischen Etikett war nicht mit einem Korken, sondern mit einem Schraubverschluß versehen und geöffnet, noch bevor der Fremde protestieren konnte. Das tat er auch nicht. Er sprach wenig, und wenn er redete, ließ er einen südländischen Akzent erkennen. …
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