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   Sein Freund Walter bewohnte zusammen mit seiner Frau Edith unweit von hier, am Rande des Waldes, ein zauberhaftes, selbsterbautes Haus aus Holz. Er war Förster gewesen und hatte ein Leben gelebt, wie man es aus Heimatfilmen kennt. Walter war ein paar Monate jünger als Hermann, rüstig, klug, sie trafen sich des öfteren zum Schachspiel, zu einem Gläschen Wein, zu langen Gesprächen und - alle vierzehn Tage beim allseitig beliebten Stammtisch. Ihre Freundschaft zog sich schon durch ihr halbes Leben, vielfach hatten sie beruflich miteinander zu tun gehabt. 
   Auch Hermann Odendahl hatte als Forstbeamter seinen Lebensunterhalt verdient und war unter anderem verantwortlich gewesen für die Auswahl der zu schlagenden Bäume. An jenem Tag, als er und Walter sich zum ersten Mal im Walde begegnet waren, stand für beide fest, daß sie sich wiedersehen wollten, und eine Freundschaft wuchs, die nun bereits mehr als dreißig Jahre währte. Ihrer beider Liebe galt den Hunden, unzählige Male hatten sie gemeinsame Wanderungen unternommen, zusammen mit ihren Ehefrauen und ihren Vierbeinern. Hermanns Setter war leider vor einigen Jahren vergiftet worden, und er konnte sich nicht entschließen, sich einen anderen Hund anzuschaffen. Zu groß war der Schmerz gewesen, zu stark die Verbundenheit mit dem Tier.
   Max, der Dalmatiner an seiner Seite, war das Paradebeispiel eines Herumtreibers, er liebte es, durch die Wälder zu streifen, die Jäger kannten ihn alle. Er wilderte nicht. Einmal konnten sie ihn dabei beobachten, wie er sich einem abgelegten Rehkitz näherte, es ausgiebig beschnupperte und anschließend heulend nach der Ricke Ausschau hielt, die sich aus verständlichen Gründen lieber nicht blicken ließ. 
   Am heutigen Tag hatte Max ihm das Leben gerettet, so viel stand fest. Es grenzte an ein Wunder, daß der Hund gerade in dem Augenblick auftauchte, als die Gefahr für Hermann den Gipfel erreichte. Max war, was sein muskulöser Körper gar nicht vermuten ließ, ein überaus friedlicher Geselle, aber die Frau mit dem Schraubenschlüssel hatte ihn nicht gekannt und mit ihrer Flucht völlig normal reagiert. 
Während des ganzen mühseligen Weges bis hin zum Försterhaus erhielt Max unzählige Streicheleinheiten. Er hatte sie verdient.

   Unsägliche Erleichterung breitete sich in seinem Innern aus, als Hermann sich endlich auf einen Stuhl setzen konnte. Edith, die Gattin seines Freundes Walter, untersuchte den lädierten Fuß und stabilisierte ihn notdürftig mit einer elastischen Binde. …
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