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…  Er aber hatte ihn sofort wieder vergessen. Es handelte sich um Esoterik - ohnehin nicht Hermanns Interessengebiet.  
   Die nervenaufreibende Stille, die den Wald jetzt fest im Griff hielt, kroch allmählich bis in Hermanns Haarwurzeln. Die Schritte hinter ihm waren verstummt, noch immer außer Atem schaute er zurück und erkannte im Zwielicht des kühlen Spätnachmittags hinter einem der Bäume, die hier ziemlich dicht standen, verräterische kleine Rauchwolken hervorquellen; demnach war sein unbekannter Verfolger - ein Mensch. 
Möglicherweise erlaubte sich einer seiner zahlreichen Freunde einen Scherz mit ihm, wollte ihn erschrecken. Aber wer von ihnen rauchte? Unablässig starrte Hermann in die Richtung des Qualms, für einen kurzen Moment erspähte er sogar die Hand, welche die Zigarette hielt. In Wahrheit sah er nur einen dunklen Handschuh, der sogleich wieder hinter dem mächtigen Stamm verschwand. 
Was sollte er tun? Zurückzugehen um nachzusehen schien nicht ratsam, nachdem was man in den letzten Monaten in den Gazetten las. Warum nur kam dieser lästige Mensch nicht näher? Hermanns nervöse Blicke tasteten die ganze Umgebung ab, ob nicht vielleicht zufällig ein anderer Spaziergänger zu sehen wäre, aber sein sehnsuchtsvolles Hoffen blieb unerfüllt. Das Herz pochte ihm im Hals.
„Hallo!“ hörte er sich zaghaft rufen, und es klang in der Tat nicht sehr selbstbewußt. „Warum … gehen Sie nicht einfach ... vorbei? Der Weg ist doch …ist doch breit genug!“
Die Antwort seines Verfolgers bestand aus einer dünnen, steil in die Luft geblasenen Rauchfahne, ähnlich dem Blast eines Pottwals, nur etwas bescheidener; ansonsten nichts als Schweigen. Es ging auf 17 Uhr zu, und Anfang November, wenn die Sonne sich hinter den Horizont zurückzog, wurde es im Wald um diese Zeit schon recht kalt und - düster. Die kahlen Bäume streckten ihre entlaubten Äste von sich, groteske Gebilde formend. 
Bis zum Parkplatz waren es noch mindestens 2 Kilometer, und die wollte, die konnte Hermann nicht im Laufschritt zurücklegen. Früher war er zwar zuweilen sportlich aktiv gewesen, aber seit sein Arzt vor einigen Jahren eine leichte Angina pectoris diagnostizierte, beschränkte sich Hermann wohlweislich aufs Spazierengehen. Sein gestreßtes Herz hätte die Strapaze eines Dauerlaufes ohnehin nicht zugelassen.
   Die Kälte auf seiner nassen Stirn empfand Hermann Odendahl als wohltuend, nicht so die dumpfe Beklemmung in seiner Brust. Unvermittelt löste er sich vom Baum, sah sich kurz um und ging entschlossen weiter. …
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