A     A     A
…  Er sollte nur weiterhin sein Geld kassieren. Es sei alles in bester Ordnung. Hinterher empfahl er dem Manne noch, sich unverzüglich und besonders sorgfältig die Hände zu waschen! Und sich schleunigst einen Helm zu besorgen.
Ein schüchternes Grinsen huschte über dessen unrasiertes Gesicht, als der Beamte andeutete, die Ordnungswidrigkeit unter gewissen Umständen unter den Tisch fallen zu lassen. Der erklärte sich sofort einverstanden, uneingeschränkt mit Schmidt zu kooperieren - und auch mit der Tatsache, daß er über dieses Gespräch Stillschweigen bewahren sollte. Vor allem jenem unbekannten Auftraggeber gegenüber; sollte der sich unerwartet bei ihm melden.
   Im Labor der Spurensicherung hatte man keinerlei Mühe, die Schrift auf dem Couvert von der darüberliegenden Tusche zu befreien. Die Adresse war im Finanzbezirk angesiedelt. Es handelte sich um eine der größten Versicherungen des Landes, und was hinzukam: Diese Adresse und jene von Grabows Büro waren identisch!
Ein wenig mehr Mühe hatten die Chemiker allerdings mit der Identifizierung der Giftsubstanz auf den Laschen der grünen Couverts. Der Grundstoff war relativ schnell gefunden und der umfangreichen Kategorie der Zuckerverbindungen zuzuordnen. Etwas länger dauerte es mit einigen Zutaten, aber die entscheidende Komponente konnten sie nicht entschlüsseln. Selbst ein spezialisiertes toxikologisches Labor in Heidelberg schaffte es nicht, jenen geheimnisumwitterten Zusatz zu entlarven. Am Ende waren sich die Spezialisten nur dahingehend einig, daß die Menge des Giftes auf einem einzigen Couvert ausreichte, um fünf erwachsene Menschen zu töten. Die Absender wollten allem Anschein nach ganz auf Nummer Sicher gehen.

***

   Auf Rudolf Grabows Schreibtisch sah es herrlich unaufgeräumt aus. Links lag der Stapel der Financial Times, rechts der einer inländischen maßgeblichen Börsenzeitung. An der Wand seines Büros hing das berüchtigte ‚Thermometerpapier’, ein stetiges Auf und Ab der Börsenkurse widerspiegelnd. Ein Thermometer jedoch bewegte sich für gewöhnlich in zwei Richtungen, aufwärts und abwärts. Die rote Linie auf jenem weißen, mit unzähligen Querlinien durchzogenen Plakat kannte allerdings seit Jahren nur eine Richtung – nach unten. 
Viele Dinge in seinem Lebensraum vermochte Grabow zu manipulieren, zu verändern, für seine Zwecke zu nutzen. Jenem verflixten roten Faden dort an der Wand aber war auch er hilflos ausgeliefert. Dieses für die Wirtschaft so eminent wichtige, wie von empfindlichen Seismographen aufgezeichnete und oftmals an heftige eruptive Ereignisse erinnernde Zickzackmuster, dessen spitze Enden vor Jahren noch ausschließlich nach oben zeigten - von unbedeutenden Unterbrechungen abgesehen - hatte seine faszinierende Gestalt dramatisch verändert. …
Diese Seite hat mir gefallen - weiter lesen
...war OK - weiter lesen
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen
  ◄ zurück blättern  
Beurteilen Sie den Text bitte fair.
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
388 Leser seit 1. Jan. 2026 für diesen Abschnitt

Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!
Gedankenaustausch: Hinterlasse dem Autor einen Kommentar.

Bitte Sicherheitskode links abtippen.