Augenblicklich war Lothar hellwach. Sein Wagen parkte unweit der Eingangstür, die Scheibe war nur einen Spalt weit geöffnet, er selbst so gut wie nicht zu sehen. Endlich hatte die Wartezeit ein Ende. Endlich schien der Fisch ins Netz zu gehen. Der Kripobeamte blieb noch eine Weile sitzen. Erst als der Mann die wuchtige Eingangstür, in deren Mitte sich dieser riesige Briefschlitz befand, geöffnet, das Haus betreten und die Tür wieder geschlossen hatte, stieg er aus. Mit ruhigen Schritten überquerte er die wellige Straße, schaute sich unauffällig um und ging dem Manne hinterher.
Mit der einen Hand drückte er die schwere Metalltür auf, seine andere verharrte in Reichweite der Dienstwaffe - obwohl dieser Mann an sich keinen gefährlichen Eindruck machte. Er war in den Fünfzigern, ein wenig ungepflegt, vom Typ her ein arbeitsscheuer Kettenraucher im Trainingsanzug. Und in der Tat trug er jene Kleidung, die ihn jedoch kein bißchen sportlich aussehen ließ; im Gegenteil.
Als Schmidt den Flur betrat, der zu einer stillgelegten Kartonagenfabrik gehörte, war der Mann schon dabei, die umfangreiche Post mit bloßen Händen vom Boden aufzulesen und in den ausladenden Behälter vor seinem Bauch zu stecken. Er hörte den Beamten nicht kommen, zu sehr war er mit dem Verstauen der zahlreichen grünen Briefe beschäftigt.
„Guten Tag!“
Laut und deutlich grüßte Lothar, der Mann am Boden aber erschrak nicht. Er hob nur den Kopf ein wenig, erwiderte den Gruß und sammelte weiter die Briefe ein. Eines war sofort klar: Ein schlechtes Gewissen hatte dieser Mensch nicht!
Beiläufig zeigte Lothar seinen Dienstausweis und fragte, was der Mann hier tat.
„Ich sammle die Post ein, das sehen Sie doch!“
„Ja, das sehe ich.“
Es folgte eine kleine Pause, während Lothar dem Manne nur zusah.
„Fahren Sie immer ohne Helm?“ fragte er unvermittelt.
Der Mann in der Hocke zögerte nun doch ein wenig, suchte offensichtlich nach einer Ausrede, schüttelte aber nur langsam den Kopf.
„Nein, nicht immer. Aber meinen Helm haben sie mir gestohlen. Und ein neuer kostet ...“
Damit machte er mit Daumen und Zeigefinger die typische Bewegung des Geldzählens. Nicht einen Moment ließ Lothar den Kerl, der mit dem Einsammeln fast fertig war, aus den Augen. …
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