Kurz vor der Rheinbrücke flogen die ersten Flaschen, geworfen von Jugendlichen, die keine Ahnung hatten, wogegen diese Senioren, unter denen sich auch zahlreiche Arbeitslose befanden, demonstrierten. Es entstand der Eindruck, sie seien eigens hier her geschickt worden, um zu stören. Von welcher Behörde auch immer. In der Folge ergaben sich lautstarke beleidigende Auseinandersetzungen, nicht nur mit Jugendlichen. Man vernahm bösartige Schlagworte wie Unnütze Fresser, Grufties, Komposties und Schlimmeres. Auch Blessuren gab es, nichts Ernstes, die Masse aber war nicht aufzuhalten. Von seiten der Ordnungshüter war keine Hilfe zu erwarten, sie schauten weg, wenn Gegenstände geschleudert wurden.
Die Ruheständler diskutierten während des Marsches eifrig untereinander, brachten sowohl ihre eigenen Erfahrungen ein als auch die von Leidensgenossen, und nicht selten zeigte sich in den streitbaren Gesichtern Zustimmung; aber auch Verblüffung, Schauer, zuweilen blankes Entsetzen über das Gehörte. Der örtliche Rundfunksender hatte im Vorfeld eine Meldung verweigerte, die auf die Demonstration hinweisen sollte. Daher war der Aufruf über Flugblätter erfolgt, für deren Herstellung und Verteilung der Inhaber einer im Industriegebiet West angesiedelten Großdruckerei sorgte; auch er lief in der Menge mit. Auch er inzwischen im Rentenalter. Initiator der Demonstration aber war Bernd.
Die Trauer um seine liebe Frau Sabine lastete auch Wochen danach noch auf seinem sonst so frohen Gemüt. Seine Freunde unterstützten ihn nach Kräften, bis ihn eines Tages eine Erkenntnis traf, die ihn zum radikalen Umdenken zwang. Auslöser war ein kurzes Telefonat gewesen. Ein Telefonat mit Staatsanwältin Solveigh Hindemith.
An jenem Tag saß Bernd zu Hause, blätterte desinteressiert in der Zeitung, als das Telefon läutete und sich seine ehemalige Mitstreiterin gegen das Verbrechen meldete. Sie hatte gute Nachrichten zu vermelden, jene Frankfurter Telefonnummer betreffend, die Bernd ihr bei seinem Besuch überlassen hatte. Es sei denkbar einfach gewesen. Der Besitzer der Nummer sei ausfindig gemacht worden und säße bereits hinter Gittern. Besagte Telefonnummer hätte die Staatsanwaltschaft direkt zu Grabow geführt.
Überschwengliche Freude wollte sich bei Bernd nicht einstellen, hatte er doch selbst unzählige Male vergeblich versucht, diesen Grabow zu erreichen, was die unvollständige Nummer seinerzeit verhinderte. Er wußte, daß am Ende mindestens eine, wenn nicht mehrere Zahlen fehlten. …
Diese Seite hat mir gefallen - weiter lesen ►
...war OK - weiter lesen ►
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen ►
...war OK - weiter lesen ►
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen ►
◄ zurück blättern
Beurteilen Sie den Text bitte fair.
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
341 Leser seit 1. Jan. 2026 für diesen Abschnitt
Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
341 Leser seit 1. Jan. 2026 für diesen Abschnitt
Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!