Als sie sich den Frust von der Seele geschrieben hatte, steckte sie das Blatt in den dafür vorgesehenen grünen Rückumschlag, feuchtete ihn mit ihrer Zunge an und klebte das bereits vom Absender frankierte Couvert zu. Anschließend brachte sie es zum Briefkasten.
Das war am frühen Vormittag gewesen. Bereits kurz nach dem Mittagsmahl, als Bernd schon zum Tennis unterwegs war, verspürte sie eine unglaubliche Energie durch ihren Körper wallen, lief durchs Haus, rannte in den Keller und wieder herauf. Etwas später fühlte sie eine nie zuvor erlebte schmerzhafte Übelkeit in sich aufsteigen, verbunden mit akuten Sehstörungen, was sie dazu brachte, sich flach auf den Rücken zu legen. Aber es wurde nicht besser, im Gegenteil. Die Magenkrämpfe kehrten periodisch wieder, und ihre Beine vollführten im Liegen spastische Laufbewegungen. Mitunter war Sabine versucht zu schreien, so sehr schmerzte ihr Bauch. Irgendwann verlor sie die Besinnung.
Als sie wieder zu sich kam, hielt Bernd ihre Hand fest umschlossen und kniete neben der Couch. Ihre Versuche den Kopf anzuheben scheiterten ebenso wie die Bemühungen zu sprechen. Ihr Mann wußte nicht ein noch aus. Im Normalfall hätte er augenblicklich einen Notarzt gerufen. Aber beim derzeitigen Zustand des Gesundheitswesens käme dies einem Todesurteil gleich. Er eilte zum Telefon und rief den Hausarzt an. Die Sprechstundenhilfe eröffnete ihm, daß der Doktor unterwegs sei und versprach, sich zu melden, sobald er wieder in die Praxis zurückkehrt. Bernd bedankte sich leise.
Sabine litt entsetzliche Qualen. Lange konnte er das nicht ertragen, griff erneut zum Hörer und wählte die Notrufnummer. Ganz offensichtlich blieb ihm keine andere Wahl.
„Wie alt ist die Patientin?“ war das erste, was die Frau, die das Gespräch entgegennahm, ihn fragte. Noch bevor sie sich nach der Adresse erkundigte.
„Sie ist 54“, antwortete Bernd mißtrauisch. „Hat das irgendeine Bedeutung?“
„Nein!“ war die knappe Erwiderung.
„Bitte, beeilen Sie sich“, flehte Bernd in den Hörer.
Die Minuten verrannen, Sabine wurde etwas ruhiger, bei Bernd kehrte neue Hoffnung ein. Mehrmals stand er auf, ging zum Fenster hinüber und schaute die Straße entlang, den Rettungswagen herbeisehnend. Nach einer geschlagenen Stunde endlich hielt der Notarzt vor der Tür. …
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