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…  Sie beugte sich über das Blatt, überflog es kurz, las, daß sie den Betrag erhalten hatte, die Höhe des Bonus‘ war nicht angegeben. Das spielte auch keine Rolle; denn wie sie gesehen hatte, handelte es sich um eine gewaltige Summe. Der Koffer war voll!
Gerade setzte Helen schwungvoll zur Unterschrift an, als sie ebenso schwungvoll an den Beinen erfaßt und über die Abgrenzung gehoben wurde. Juris Attacke war überraschend erfolgt. Er hatte alles mit einer Hand erledigen müssen, weil es nebenbei noch galt, den Koffer mit dem wertvollen Inhalt zu sichern.
Nach weniger als zwei Sekunden schlug Helen auf dem harten Betonboden in einem jener Reptilienbehälter auf. Einen weiteren Sekundenbruchteil später schon schnappten die stählernen Kiefer des gepanzerten Bewohners nach ihr, bewehrt mit zahllosen spitzen elfenbeinernen Zähnen, und die bohrten sich tief in ihren Leib. Helens Brustkorb wurde zusammengequetscht, jegliche Luft entwich aus ihren Lungen. Es blieb ihr nicht die Zeit zu schreien.
Sofort näherte sich das große weiße Krokodil und packte zielsicher Helens Kopf, während sich ein weiterer Artgenosse an ihren Beinen gütlich tat. Die zuvor so träge anmutenden Tiere explodierten förmlich, als es ums Fressen ging. Im Nu hatten sie Helen in Stücke gerissen und hinuntergeschluckt. Nicht eine Spur würde man am nächsten Morgen von der Frau finden.
Rasch beendeten die Echsen ihr Mahl, fielen zurück in ihre starre Körperhaltung. Von ihrem Opfer hatten sie nichts übriggelassen, sogar die roten Stiefel waren zusammen mit den Beinen im Rachen eines der Reptilien verschwunden. Es kehrte wieder Ruhe ein im Terrarium. Unter dem krallenbewehrten Fuß des großen weißen Krokodils ragte die Spitze eines silbernen Kugelschreibers hervor.
Den Koffer in der Rechten verließ Juri zufrieden das Terrarium. Nie im Leben hatte er daran gedacht, ihn der Frau auszuhändigen. Er enthielt die Honorare für die nächsten Aktionen. 
Diese Tat heute war insofern ein Kuriosum, weil es sich weder um eine Pensionärin noch um eine Rentnerin gehandelt hatte. Ihr Tod brachte dem Staat keinen Nutzen, wenn man von der möglichen späteren Inanspruchnahme einer Sozialhilfe einmal absah.  
Ihr Tod schützte jedoch Grabow. Helen war zwar nie Mitarbeiterin gewesen, aber doch Mitwisserin. Und da ihr Mann nicht mehr für ihn tätig sein konnte, bedeutete sie eine potentielle Gefahr. Vor allem, nachdem sie Freunden gegenüber Vertraulichkeiten ausgeplaudert hatte …
 …
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