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…  Sich auf ihr Verbrieftes Recht zu berufen und die Politiker zur Verantwortung zu ziehen. 
Seine Vorschläge klangen ermutigend, plausibel und waren selbst von den ganz hinten Stehenden aufgrund der abgrundtiefen Stille, die über dem Marktplatz schwebte, gut zu vernehmen. Auch riet Bernd den Zuhörern davon ab, den Behörden allzu großes Vertrauen zu schenken - wie seine Erfahrungen ihn gelehrt hatten.  
„Vermeidet den Besuch von Kliniken“, rief er in die Zuhörerschar, „wenn es irgendwie geht! Mißtraut fremden Ärzten, und selbst euren Hausärzten solltet ihr nicht völlig kritiklos gegenüberstehen. Achtet auf Fremde, die sich in eurer unmittelbaren Umgebung zeigen. Macht es wie ich: Traut niemandem mehr! Nicht einmal …“ 
Bernd machte eine kurze Pause, zögerte sichtlich, stellte sich ernsthaft die Frage, ob er soweit gehen durfte, bevor er diesen Satz beinahe aggressiv beendete. 
„Nicht einmal euren sogenannten Freunden! Es hat sich in diesem Lande ein Krebsgeschwür gebildet, das mit allen Mitteln versucht, mit dem Pensionsalter oder mit dem Austritt aus der Beschäftigung nicht nur unsere Arbeit, sondern auch unser aller Leben enden zu lassen. Das darf nicht sein, das wird nicht sein!“  
   Die Zustimmung, die ihm widerfuhr, als er nach seiner Ansprache durch die Reihen lief, von den Fernsehkameras sensationslüstern eingefangen, war Balsam für seine leidgeprüfte Seele. Bernd spürte, daß hier und heute etwas eingeleitet wurde. Etwas wie ziviler Ungehorsam, wie Resistenz oder besser, etwas wie ein Erwachen aus einem bösen Traum. 
Auf dem Weg hin zu seinen Freunden passierte er jene Stelle, an welcher zuvor der Flaschenwerfer untergetaucht war. Die Menge trat an besagtem Ort ein wenig auseinander und bot ihm einen unerwarteten Einblick: Der Mann im hellen Anzug lag völlig verdreht am Boden in einer Blutlache, die im Begriff war sich auszudehnen. Seine Kleider waren zerrissen, auf seinem Bauch lag ein Schuh, beide Augäpfel fehlten ... Die bunte Krawatte war ihm fest um den nackten Hals geschlungen. Der Mann war tot, erwürgt, umgebracht von einem Kollektiv Gleichgesinnter. Und keinen der Umstehenden schien das sonderlich zu berühren, ebensowenig Bernd. Dem Toten schenkte er nur einen flüchtigen Blick, während er vorüberging, ein Lächeln fast; die Verantwortlichen, die ihre blutigen Hände noch nicht einmal verbargen, registrierten es mit Genugtuung. Sie hatten heute ein Signal gesetzt, an Deutlichkeit kaum zu übertreffen. …
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