Vera und Hermann waren Zeuge der kurzen Unterhaltung, selbst aufgewühlt, kaum in der Lage den Freund zu trösten, geschweige denn eigene Erklärungen zu finden.
Das Telefon läutete, Bernd hob ab, es war der Hausarzt. Bernd dankte ihm trotz des verspäteten Anrufes, erklärte kurz, was vorgefallen war und legte auf.
„Du weißt, wer dir in den nächsten Tagen Hilfe leistet“, begann Vera, die von den dreien im Augenblick die meiste Energie zu haben schien. „Und komme mir nicht mit Phrasen wie ‚nicht belästigen wollen’ oder ähnliches. Wir sind hier, wir helfen, wo wir können. Wir bestehen darauf, hörst du? Hörst du? Dafür sind Freunde da!“
Bernd nahm ihre Stärke dankbar entgegen, umarmte sie liebevoll, und sie setzten sich auf jene Couch, auf der wenige Stunden zuvor noch seine geliebte Gattin gelegen und gelitten hatte. Alle drei hatten Tränen in den Augen. Hermann, der das zarteste Gemüt besaß, schaute immer wieder ängstlich auf Vera. Als wollte er sagen: Ich bitte dich, verlasse du mich nicht auch!
In dem Moment, als Brutus seine feuchte Nase unter Bernds Hand schob und ihn spielerisch zu animieren versuchte, war es mit der Selbstbeherrschung aller vorbei. Taschentücher wurden hervor geholt, die Freunde saßen in engem Körperkontakt beisammen und weinten in stummer Trauer.
***
In der Wilhelmstraße fielen einige Mülltonnen um, wurden von den Marschierenden mitgerissen, einige stolperten darüber, fielen zu Boden. Die Nachfolgenden versuchten, diese graphitgrauen Hindernisse beiseite zu schieben, dabei öffneten sie sich und erbrachen ihr übelriechendes Kaleidoskop aus organischen Abfällen auf den staubigen Asphalt. Die Sonne brannte auf schwitzende Körper, es dauerte nicht lange, und der Müll sorgte mit seinem unangenehm süßlichen Ambiente für gehörige Verwirrung in den Nasen der Vorüberziehenden. Zielort der Massen war der große, zentral gelegene Marktplatz an der Salzburger Straße, wo sich die Demonstranten zu einer Abschlußkundgebung treffen und ihrem Unmut lautstark Gehör verschaffen wollten.
Von behördlicher Seite war diese Demonstration nicht genehmigt worden, was die Teilnehmer jedoch nicht hindern sollte, allen Stolpersteinen zum Trotz beharrlich ihr Ziel zu verfolgen. Mittlerweile hatten sich mehrere tausend Mitläufer eingefunden, die imposante Schlange schob sich unaufhaltsam in Richtung Marktplatz, vereinzelt flankiert von Polizeikräften, die den Verkehr zu regeln versuchten. …
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