Was Bernd hier vortrug, waren lediglich Indizien, nichts weiter. Der einzige Zeuge, den sie je gehabt hatten, war Nico gewesen. Aber nach Bernds ‚Anfall von berechtigtem Zorn auf der Suche nach Gerechtigkeit, gepaart mit gnadenloser Vergeltung’ in Rüdigers Wohnung, kam nun Nico als Zeuge nicht mehr in Betracht. Und Hermann, der stumm daneben saß, blieb es lediglich vergönnt, ab und an mit dem Kopf zu nicken.
Als Bernd mit seinem Bericht fertig war, trat eine bedrückende Stille ein. Solveigh hatte sich Notizen gemacht, wie sie es in derartigen Fällen immer tat, und starrte auf das Geschriebene vor ihren Augen.
„Grabow heißt dieser Mann, sagst du?“ wollte sie interessiert wissen.
Bernd bejahte ihre Frage und gab ihr die Telefonnummer, die er von Helen erhalten hatte.
„Das ist mehr als man erwarten kann“, sagte die Staatsanwältin und las die Nummer sorgfältig. „Eine Nummer in Frankfurt.“
Hermanns Blicke richteten sich vertrauensvoll auf Bernd und die Frau. Daß sich die beiden so gut kannten, wußte er zuvor nicht, nichts davon hatte Bernd durchsickern lassen. Der Freund erschien ihm in letzter Zeit in immer neuen Facetten, mitunter war er richtig stolz auf ihn, auf seine Gelassenheit, seine Umsicht, seine Stärke.
„Was du mir da erzählst“, unterbrach die Staatsanwältin die Gedankengänge der beiden Männer, „ist so ungeheuerlich, daß es mir beinahe die Sprache verschlägt. Selbstverständlich habe ich in den Zeitungen über das Dahinscheiden so vieler älterer Menschen in den letzten Wochen und Monaten gelesen, aber es wäre mir nicht im Traum eingefallen, daß da ein System dahinter steckt. Ein geradezu mörderisches System. Es war klug, daß ihr zu mir gekommen seid. Obwohl ich deine Ansicht, das ganze Renten- und Gesundheitswesen sei davon berührt, nicht teilen will. Das scheint mir zu absurd.“
„Du warst nicht dabei, Solveigh“, erwiderte Bernd knapp.
Nachdenklich wiegte die Frau ihren Kopf hin und her, versicherte den beiden aber, sich um diese Angelegenheit vordringlich zu kümmern und Bernd sofort Bescheid zu geben, sollte sie diesen unglaublichen Verdacht bestätigt finden. Beruhigt erhoben sich die Männer und verabschiedeten sich von der hilfsbereiten Dame.
Als wäre eine Zentnerlast von ihren Schultern genommen, so befreit verließen sie das Gebäude. …
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