Die Hauptarbeit stand noch bevor. Denn nun galt es, die Laschen der dafür vorgesehenen grünen Briefumschläge damit zu bestreichen. Für solche Fälle wurden die werkseigenen Etikettier-maschinen eingesetzt. Immerhin waren 15 Millionen solcher Umschläge mit dem tödlichen Leim zu versehen. Das jedoch fiel nicht in Nielsens Ressort. Dafür waren andere zuständig. Er hatte seine Arbeit pflichtbewußt erledigt.
***
Zwei sehr unterschiedliche Gestalten stapften durchs feuchte Laub des kahlen Frühlingswaldes, unterhielten sich angeregt, während ein großer grauer Hund scheinbar ziellos seine Kreise um die beiden zog. Brutus war wohl auf die Spur eines Hasen gestoßen und befand sich auf der ‚Jagd’ nach der Beute. Die Nase tief am Boden, suchte er sein Opfer, das aber hatte sich längst in Sicherheit gebracht. Zudem waren des Jägers raschelnde Schritte im Laub weit zu hören und verschafften jeglichem Wild in der Nähe genügend Zeit zu verschwinden.
Bernd und Hermann sprachen über Rüdigers Aufzeichnungen. So blieb es nicht aus, daß sie hin und wieder abschweiften zu den überaus erschreckenden Eingeständnissen, die ihnen Horsts Ehefrau Helen nach ihrer Rückkehr aus der Klinik gemacht hatte. Vieles wußten sie bereits, oder erahnten es, einiges war neu für sie. Zum Beispiel die Tatsache, daß Horst für seine Gefälligkeiten erhebliche Summen Geldes erhalten hatte.
Über die ‚berufsfremden Tätigkeiten’ ihres Gatten war sie erstaunlich gut unterrichtet gewesen. Tätigkeiten, die ihnen beiden ein sorgenfreies Leben hätten bescheren sollen - und die ihr letzten Endes in Wahrheit lediglich Isolation einbrachten. Denn nach ihrer tränenreichen Offenbarung zogen sich alle Bekannten und Freunde, die davon erfuhren, von ihr zurück. Von nun an hielt sie sich allein in ihrem teuren Bungalow auf, lebte von den Ersparnissen ihres Gatten und harrte der Dinge, die da kommen würden.
Horst hatte jene Attacke nicht überlebt, und Helen, inzwischen Witwe, trug ihr schweres Los keineswegs mit stoischer Gelassenheit. Im Gegenteil. Bereits unmittelbar nach der Beerdigung, an welcher die verbliebenen Freunde - trotz allem - teilgenommen hatten und die mit einem gemeinsamen Beisammensein endete, begann Helen mit ihren Kassandrarufen. Wie sie nun ihren Lebensunterhalt bestreiten solle und wie sehr sie den Luxus vermissen würde usw. Die Freunde konnten es beinahe nicht ertragen. Es schien, als könne diese Frau nicht richtig begreifen, womit sich Ihr Ehemann beschäftigt hatte, woher dieser Reichtum tatsächlich gekommen war. …
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