Nachdenklich starrte Bernd dem grauen Wolfshund hinterher, bevor er Hermanns Arm ergriff und ihn festhielt.
„Wir wissen noch immer nichts Genaues über den Verbleib von Rüdiger und Ilona. Wir wissen nur, daß sie auf deren Liste standen. Aber den Worten dieses ... dieses ... Nico zufolge, wurden auch sie von denen irgendwie …verbrannt. Wenn wir nur erfahren könnten, wer Die sind.“
Mit Die meinte Bernd jenen Juri, von dem Nico in seinem Übermut so freizügig geplappert hatte; und dessen Auftraggeber. Denn daß diese beiden aus eigenem Antrieb heraus agierten und agiert hatten, schloß Bernd aus.
Hermann deutete auf eine dunkle, feuchte Holzbank, und die zwei ließen sich darauf nieder, trotz der unangenehmen Frische im Forst.
„Helen hat eine Telefonnummer erwähnt, die Horst manchmal angerufen hat“, erinnerte sich Hermann. „Und einen Mann, der sie ab und zu besucht hat.“
Bernd bestätigte das. Er kannte diese Nummer, hatte schon mehrmals versucht dort anzurufen, es kam aber nie eine Verbindung zustande. Es schien, als fehlten am Ende einige Zahlen, denn die Leitung blieb tot. Kein Ton, kein Klickern, kein Tuten, nichts. Nur Stille.
Tage hatte es gedauert, bis Hermann und Bernd die ganze Tragweite dessen, was ihnen Horsts Gattin erzählt hatte, begreifen konnten, begreifen mußten. Von einem in der menschlichen Geschichte einmaligen Genozid war die Rede gewesen, von unnützen Menschen, von brauchbaren und unbrauchbaren, von Bürgern, denen man das Lebensrecht absprach – ganz einfach, weil sie zu alt waren. Und damit zu teuer!
Wie Rüdiger bei Gesprächen mit Ex-Kollegen herausgefunden hatte, war die nachlässige Behandlung der Älteren in den Kliniken sowie das zuweilen planmäßige Dahinscheiden derselben von höchster Ebene angeordnet worden. Außerdem gab es seit geraumer Zeit diese Bestrebungen, älteren Menschen teure Operationen einfach zu verwehren, wenn sie ein bestimmtes Alter überschritten hatten; auch dies ein Eingriff ohnegleichen in das Lebensrecht der älteren Generation. Denn das bedeutete, daß ein etwa 60 jähriger Patient in Zukunft vergeblich auf ein Spenderorgan hoffen durfte, weil man dies einem Jüngeren gab; in vielen Fällen ein offizielles Todesurteil von seiten der Krankenkassen. Unterstützt wurde dieses Verfahren noch dadurch, daß Ärzte ihren älteren Patienten vielfach teure Medizin verschrieben, welche die Kassen nicht bezahlten und die eklatante Gegenreaktionen hervorriefen. …
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