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Der Fremde, der eine Brille mit dicken Gläsern trug, sah sich kurz um, öffnete den Koffer einen Spalt breit und gewährte Helen - sowie dem kauenden Leguan - einen kurzen Blick ins Innere. Sie wollte ihren Augen nicht trauen: Der Koffer enthielt massenhaft Geldscheine, er war randvoll. Aber die Zeit, abzuschätzen, um wieviel es sich handelte, war zu kurz, denn Juri schloß ihn sogleich wieder.
„Können sie mir den Empfang bestätigen, bitte?“ fragte er im Anschluß. 
Natürlich konnte Helen das, wo sollte sie unterzeichnen? Juri hielt plötzlich ein weißes Formular in Händen und schien eine Unterlage zu suchen. Hier aber gab es keine Tische. Nicht einmal eine Bank, worauf man sich für einen Moment hätte setzen können. Spontan, aber ein wenig hilflos bot Helen ihren Rücken als Pult an. Das ging nicht, denn die Frau sollte ja unterschreiben und nicht Juri. Der schüttelte unschlüssig den Kopf.
„Kommen Sie!“ 
Sachte nahm er Helen am Arm und geleitete sie hinüber zu einem Rundgang, dessen hüfthohe Seitenumrandungen mit breiten, eckigen Hölzern versehen waren, dort ließ sich der Lederkoffer einigermaßen sicher auflegen. Die Luftfeuchtigkeit hier war unangenehm hoch, zudem roch es nach Fisch und abgestandenem Wasser. Die Reptilien jedoch benötigten dieses extrem feuchte Klima für ihr Wohlbefinden. 
Der Rundgang führte über verschiedene geräumige, teilweise voneinander getrennte Behältnisse hinweg, auf deren betonierten Böden sich zahlreiche Panzerechsen tummelten, große, kleine, einige mit breiten, andere wiederum mit spitzen Schnauzen, ein zoologisch irritierendes Reptiliengemisch aus vielen Kontinenten. Reglos lagen sie da. Manche zur Hälfte im Wasserbassin, zum Teil mit geöffneten Mäulern; wie ausgestopft. Darunter befand sich ein weißes Exemplar, ein stattliches Nilkrokodil von über vier Metern Länge, auch jenes absolut regungslos. Nur die senkrecht geschlitzten Augen ließen vermuten, daß sich Leben dahinter verbarg. 
Juri legte den Koffer auf die hölzerne Umrahmung und sah sich um, niemand beobachtete sie, niemand befand sich in der Nähe. Auch Helen warf einen flüchtigen Blick nach hinten, aber da war in der Tat keine Menschenseele, und das war gut so. Sie hätte es nicht gemocht, wenn ein Bekannter sie mit diesem fremden Mann gesehen hätte. Die späte Stunde jedoch war ausgezeichnet gewählt, Grabow war eben ein echter Profi, durch und durch.
Juri plazierte das weiße Stück Papier auf dem mittlerweile stabil und sicher liegenden Koffer und reichte Helen einen silbernen Kugelschreiber. …
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