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…  
„Fragen?“
Beinahe belustigt sah Bernd den Freund an.
„Wir sollen ihn fragen? Was er damit zu tun hat? Hermann!“
Wie leichter Tadel klang es in Hermanns Ohren, ein berechtigter Tadel, wie er zugeben mußte. Natürlich würde dieser Mensch aus freien Stücken nichts ausplaudern, weder gegenüber Bernd noch in Gegenwart eines Richters. Wenn es ihnen überhaupt gelingen würde, Grabow zu erwischen. Nein, nein, sie müßten anders vorgehen, selbst die Initiative ergreifen, wie sie es schon einmal getan hatten. Recht erfolgreich, wie Hermann sich gerne erinnerte. Er bedauerte es nachträglich noch immer, daß sie diesen Nico nicht zu einer vollständigen Aussage bewegt hatten. Aber an wen hätten sie sich mit diesem Geständnis wenden sollen? Wie es aussah, war tatsächlich der gesamte Staatsapparat unterwandert, einschließlich der Justiz. 
„Selbst wenn wir Beweise hätten, würde uns das nichts nützen.“
Mehr gedacht als gesprochen hatte Bernd diese Worte, dennoch erwirkten sie Hermanns stummes Einverständnis. Sie mußten selbst tätig werden, sie waren auf sich alleine gestellt, konnten auf keine fremde Hilfe rechnen. Im Gegenteil! Sie liefen sogar Gefahr, dabei ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen, wenn nicht gar ihr Leben. Das war ohnehin extrem gefährdet, wie sie beide am eigenen Leib verspürt hatten. Das Leben eines Ruheständlers besaß in Deutschland heutzutage nun mal den Wert null.   
„Ich müßte mir diesen Grabow einmal ansehen. Vielleicht offenbart er unfreiwillig ein paar Dinge, die er besser für sich behalten würde. Wer weiß?“
Ziemlich überzeugend sagte Bernd dies, und Hermann sah sich bereits wieder in der Rolle des Helfers, die ihn mit soviel Stolz, mit soviel Genugtuung erfüllt hatte, als in einer dunklen Nacht ein alter Escort brennend in einen Steinbruch stürzte.

***

   Beinahe bewegungslos zeigte der ausgestreckte Arm nach vorne. Nicht zu fest, aber durchaus entschlossen hielt die Hand die Schnellfeuerpistole. Das linke Auge des Mannes trug eine Abdeckung, um dem rechten das Zielen zu erleichtern. Der Mann wartete. Außer ihm war niemand anwesend, was seine Konzentration erhöhte. Die drei Bahnen links neben ihm und jene zwei auf der rechten Seite waren unbesetzt. Langsam senkte sich die Hand mit der Waffe wieder.
Bernd führte das Magazin ein, entsicherte die Pistole - eine deutsche Präzisionswaffe der Marke Walter, Kaliber 22, und lud sie durch. Mit der linken Hand drückte er den roten Knopf auf der Ablage. …
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