Die meisten der Anwesenden hatten zuvor hautnah miterleben müssen, wie sich die Stimmung der Bevölkerung gegen sie richtete. Zwar waren es oft nur Jugendliche gewesen, die tätlich geworden waren, aber durch ihr stummes Einverständnis entlarvten sich all jene, die abseits standen, als potentielle Mittäter. Dies war zum Hauptthema geworden, worüber die Demonstranten hitzig diskutierten.
Inmitten dieses schwelenden Aufruhrs warf unverhofft ein Mann aus einer kleinen, unauffällig am Rande des Podests stehenden Gruppe mit den Worten: „Der Friedhof wartet!“ eine halbvolle Flasche Bier nach Bernd. Dieser Mann war etwa 35 Jahre alt und wirkte eigentlich seriös. Er trug einen hellen Anzug, eine bunte Krawatte, war glattrasiert und seine kurzen Haare waren tadellos gekämmt. Die Flasche sauste an Bernds Kopf vorüber und streifte eine weiter hinten stehende Frau mit grauem Haar an der Schulter, richtete jedoch keinen Schaden an, und zerplatzte auf dem granitenen Kopfsteinpflaster. Aber viele hundert Augenpaare hatten diese unsinnige Tat beobachtet. Einem ersten empörten Aufschrei folgten weitere, lautere - haßbeladene.
Mit einemmal wurde jener Flaschenwerfer ergriffen, von seiner kleinen Gruppe abgedrängt, von vielen Händen ins Innere der Zuhörerschar gezerrt, umgestoßen und über den Boden geschleift. Gegen die zahlenmäßige Übermacht konnte er sich trotz seiner Jugend nicht zur Wehr setzen. Während dieser völlig unerwarteten Aktion kehrte eine gespenstische Ruhe ein. Dazwischen konnte man spitze Schreie, Quietschen, Schläge, Tritte, Anfeuerungsrufe hören, allgemeines Befürworten - danach wieder atemlose Stille.
Das Mikrofon blieb weiterhin stumm. Ein wenig verloren stand Bernd hinter dem Pult, schließlich sah er ein, er mußte ohne Mikro auskommen und fuhr in seiner Rede fort. Ein unglaublich diszipliniertes Schweigen legte sich über den Platz. Niemand wollte auch nur eine einzige Silbe von Bernds Vortrag verpassen.
Er rief die über 20 Millionen Rentner, Pensionäre und Arbeitslose im Lande auf, sich massiv zur Wehr zu setzen, wo immer ihnen Unrecht widerfahren sollte. Sich nicht zu ducken, wenn die Mediziner wieder einmal orakelten, es gäbe keinen Ausweg. …
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