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„Das ist eine Ordnungswidrigkeit. Das wissen Sie! Das kostet Sie einen Fünfziger.“ 
Lothar sagte das mit ernster Miene, obwohl er den Betrag von € 50.- absichtlich zu hoch angesetzt hatte.
Betreten schwieg der Mann. 
„Was machen Sie mit der Post?“ wechselte der Beamte das Thema.
„Ich verpacke sie und schicke sie weg“, erklärte der Briefkastenleerer leutselig, indem er sich erhob und Schmidt ein wenig beleidigt anstarrte.  
„Wohin?“ 
Beinahe desinteressiert kam diese Frage über Lothars Lippen, obwohl sie keineswegs unwichtig war; vergrößerte die Antwort darauf doch den Kreis der Beteiligten. Der Bote wußte die Adresse nicht auswendig. Irgendwo im Rheinland. Sie lag bei ihm zu Hause.
Das genügte Schmidt fürs erste. Er nahm die Personalien des Mannes auf und danach die gesamte Post an sich. Im Anschluß gebot er ihm, den Briefkasten erst wieder zu leeren, wenn er von behördlicher Seite dazu aufgefordert werden sollte. 
„Wer schickt Sie? Wer bezahlt Sie dafür?“ wollte Lothar noch wissen. 
Den Namen des Mannes kannte der Bote nicht, denn der hatte sich telefonisch gemeldet, und bezahlt wurde per Post. Erst zweimal hatte er diesen Briefkasten geleert und dafür einen Hunderter erhalten, plus der Versandgebühr für das Weiterleiten der Post. Das war viel Geld für ihn, warum also hätte er nachforschen sollen? Die Summe lag vor wenigen Tagen in einem normalen weißen Couvert zu Hause in seinem Briefkasten. 
Schmidts Frage nach dem Absender des weißen Couverts konnte der Mann auch nicht beantworten, aber den Brief besaß er noch. Die beiden Männer verließen den Hausflur, die Tür wurde wieder verschlossen. Der Beamte verstaute den ledernen Postbeutel in seinem Wagen und fuhr dem Motorroller hinterher; er brauchte diesen Brief! Vor allem aber interessierte ihn die Empfangsadresse für diese heikle Fracht. Eine viertel Stunde später hielt er beides in Händen.  
Ersteres war ein blütenweißer Umschlag ohne Absender. Auf der Rückseite jedoch fanden sich zwei dicke schwarze Linien, und bei genauer Betrachtung konnte man erkennen, sie verdeckten etwas. Der Absender hatte die aufgedruckte Adresse des Firmenumschlags fein säuberlich mit einem schwarzen Tuschestift unkenntlich gemacht.  
Das zweite war der Empfänger der Giftpost, er hatte seinen Sitz im Rheinland. Vita Pharma AG stand in großen Druckbuchstaben auf dem kleinen Zettel, den der Bote ihm ausgehändigt hatte. Lothar verstaute alles in seiner Tasche und erklärte dem verblüfften Mann, daß die Polizei in Zukunft persönlich die grünen Couverts einsammeln und weiterleiten werde. …
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