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…  Wer versuchte, korrekt seinen Dienst zu versehen, wurde von seinen andersdenkenden Kollegen belächelt, gemieden und stand letztlich alleine da.
   Grabow wußte jene Tendenzen gnadenlos für sich zu nutzen, den Verantwortlichen der ‚Frankfurter Zentrale’ konnte dies nur recht sein. Für sie zählte lediglich das Ergebnis, das Bare. 
Daher endete das heutige Zusammentreffen wieder voller Zufriedenheit für alle Beteiligten. Grabow erhielt noch mehr Vollmachten, die Zentrale genehmigte letztendlich alles was er vorschlug. Von allen unbemerkt war irgendwann der Zeitpunkt gekommen, an welchem nicht mehr die Hochfinanz die Fäden zog. Oder die Politiker. Sondern Rudolf Grabow.

***

   Der Streifenwagen fuhr an jenem Nachmittag ohne Blaulicht, der junge Fahrer hatte es noch nicht einmal sonderlich eilig. Er befand sich auf der Suche, seine Augen konzentrierten sich auf die Hausnummern der makellosen hellen Fassaden in dieser ruhigen Wohngegend. Beinahe gemächlich rollte der grünweiße Wagen den Bürgersteig entlang, umfuhr sorgfältig die bepflanzten und mit festen Randsteinen versehenen Halbinseln, welche die verkehrsberuhigten Zonen innerhalb des Wohngebietes kennzeichneten. Schließlich gelangte er zum Anwesen der Roths. 
   Die Bewohner des Hauses Nummer 34 zeigten sich in höchstem Maße alarmiert. Bernd und seine jugendliche Frau Sabine hatten den Wagen nicht vorfahren gehört. Nur zufällig standen sie am Fenster, sahen den jungen Beamten aussteigen, sich umsehen, beobachteten, wie er seine Dienstmütze aufsetzte, sich erneut umblickte und sich danach ins Wageninnere beugte. Als er wieder auftauchte, hielt er einen ledernen Aktenkoffer von gehobener Qualität in seiner Hand.
   Bernd, der Ex-Polizist mit seinen vielen tausend Einsätzen, vermochte seine Unruhe ausgezeichnet zu verbergen, Sabine gelang dies weniger gut. Obwohl beider Unruhe sehr unterschiedliche Ursachen hatte. Sabine vermutete eine neue Hiobsbotschaft, den Freundeskreis betreffend. Wer war es diesmal? Bernd dagegen dachte an seine unlängst verübte Selbstjustiz. Was hatte er bei Rüdiger übersehen? Was war entdeckt worden? 
Sabines fragender Blick traf Bernds entspanntes Gesicht, in dem nichts zu lesen stand. Nur seine Augen verfolgten die Schritte des Polizisten, der die Gartentür öffnete, das Grundstück betrat und das Türchen hinter sich wieder schloß. Den Aktenkoffer in der Hand, lief er zielstrebig auf die Haustür der Roths zu.
   Eine kaum wahrnehmbare elektrische Spannung kroch über Bernds Rücken und war Ursache dafür, daß sich in seinem Nacken feine Härchen aufstellten. …
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