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…  Um dies vor Nicos Augen zu verbergen, winkelte er seine Knie an, soweit es ging.
„Ruf ihn her“, flüsterte er Hermann zu.

   Die Schwärze des Kellers stellte für den Hund kein Problem dar, zielstrebig folgte er seiner empfindlichen Nase, sie leitete ihn eine unbekannte Spur entlang, vor kurzem von Nico hinterlassen. Bald schon gelangte er an die Treppe, die hinauf zu den Wohnräumen führte. Gierig sog er alle von oben herunterschwebenden Duftpartikel ein, analysierte sie, spürte ein ungewohntes Gemisch aus Angst, Selbstbewußtsein und Alkohol. Daneben drangen fremdartige Laute in sein empfindsames Gehör. Laute, die wie ein metallenes Flüstern klangen, immer wiederkehrendes Schlagen, Klopfen, Kratzen. 
Die Nase tief am Boden, schlich Brutus die Stufen empor, erreichte kurz darauf den Flur und blieb stehen. Der tapfere junge Wolfshund spürte die Gefahr, die von der fremden Person ausging, und seine Flanken begann zu beben. Ein verhaltenes Knurren zwängte sich aus seiner Kehle, unhörbar fast, drohend dennoch. 
Eine übermächtige Kraft, ein gewaltiger Trieb zog Brutus zum Wohnzimmer hinüber, hin zu Hermann, den er so deutlich wittern konnte, als stünde er neben ihm. Trotzdem kroch der Hund beinahe auf seinem Bauch den Flur entlang, vermied jedes Geräusch, einer Raubkatze nicht unähnlich.  

   Hermann faßte sich ein Herz, stierte den hakenschwingenden Tänzer an und keuchte:
„Ich kann nicht mehr ... atmen!“
Geradezu irrwitzig zerhieb Nico weiterhin die Luft, näherte sich Hermann und sagte teilnahmslos: 
„Egal. Du jetzt kaputt.“
Achtlos ließ er den Schürhaken zu Boden fallen, griff hinter sich, zog die Pistole aus seinem Hosenbund, kniete sich zu Hermann hinunter, brachte Gesicht und Waffe ganz nahe an dessen Nase, und Hermann roch die abscheuliche Whiskyfahne aus Nicos Maul. 
Diesen Augenblick nutzte Bernd, um sich so weit zu drehen, daß seine angewinkelten Beine in Nicos Richtung wiesen. Der fühlte sich über alle Maßen sicher; zudem war er mit Hermann beschäftigt und achtete nicht weiter auf den gefesselten Bernd. 
Wie ein tödlicher schwarzer Finger zeigte die Pistole auf Hermanns Kopf, und als der Lauf dessen Wange berührte, zuckte er vor dem kalten Stahl zurück, wand sich verzweifelt, versuchte, sich der drohenden Mündung zu entziehen. Vergeblich. 
Diabolisch grinsend lud Nico die Waffe durch, das metallene Klicken hallte durch alle Räume. In den Ohren der Gefangenen klang es wie eine Rattenfalle, die soeben erbarmungslos ein Opfer erschlagen hatte. …
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