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…  Zum einen, weil er den fremden Wagen nicht kannte, zum anderen, weil sein stummer Beifahrer für alles andere als für angenehme Gesellschaft sorgte. Sie hatten nicht viel Gegenverkehr, aber wenn Scheinwerfer aufleuchteten, konnte Hermann bei seinen kurzen Seitenblicken unter dem durchsichtigen Plastik jedes Mal ein weit aufgerissenes Auge in diesem seltsam verformten Kopf erkennen. Nico glotzte irgendwie verständnislos ins Leere, und Hermann konstatierte, daß er, als er noch unter den Lebenden weilte, kaum anders dreingeblickt hatte. Obwohl nun keine Gefahr mehr von ihm ausging, war ihm die Präsenz des Toten an seiner Seite äußerst unangenehm. Einmal schien es ihm gar, als hätte dieser mit dem Auge gezuckt, aber Hermann schrieb diese offensichtliche Sinnestäuschung der spärlichen Beleuchtung zu.
   Weit außerhalb der Stadt, unweit der Abbruchkante eines Steinbruchs, hielten die beiden Fahrzeuge an. Bernd holte einen Benzinkanister aus seinem Kofferraum und stieg zu Hermann in den Escort auf den Rücksitz; sie fuhren sofort weiter. Brutus mußte im Audi bleiben. Bei ihrem jetzigen Vorhaben stand er nur im Weg.
„Mach das Licht aus“, bat Bernd den Freund ruhig, der tat ihm den Gefallen.  
Ohne allzuviel zu sehen lenkte Hermann den PKW behutsam einen steinigen Weg entlang,  stets darauf bedacht, nicht zu weit nach links zu geraten, weil dort die Wiese abfiel und nach wenigen Metern im Nichts endete. 
Er stoppte den Escort, die Männer stiegen aus. Mit einiger Mühe wurde der Körper des Erschlagenen aus dem Duschvorhang gewickelt und auf dem Fahrersitz postiert. Als einzige Lichtquelle diente den beiden die diffuse Innenraum- Beleuchtung des alten Ford.
Schon hielt Bernd den Kanister in der Hand, öffnete den Verschluß und schüttete die brennbare Flüssigkeit auf den erschlafften Körper hinter dem Steuer, auf die Sitze, auf den Plastikvorhang, auf die Reste des Walkman am Boden, auf die Waffe; der ganze Innenraum wurde getränkt. Zum Schluß drehte er das hintere Seitenfenster herunter; danach startete er den Motor.
Bernds rechte Hand löste die Handbremse, er schlug die Fahrertür zu, und sofort setzte sich der Wagen in Bewegung. Unendlich langsam rollte er auf die Kante des Steinbruchs zu, Bernd ging nebenher. Aus seiner Tasche zog er ein Papiertuch hervor, zündete es an und warf es durchs hintere Seitenfenster. Es gab ein Geräusch, als schüttelte jemand eine große Decke aus - und augenblicklich züngelten bläulich gelbe Flammen im Wageninnern empor. …
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