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…  Wie immer nickte Nico im Takt mit dem Kopf und sah dabei zuweilen ziemlich debil aus, wie abwesend; wie ein eingesperrtes wildes Tier, das vom ständigen im Kreise herumlaufen geistigen Schaden erlitten hat. Seine unruhigen Augen suchten das Zimmer ab. Schriftstücke sollte er finden, Papiere. Was für Papiere denn? Es griff sich das volle Whiskyglas, nahm einen tiefen Schluck und schlurfte in den benachbarten Raum, wo er es auf einen Schreibtisch stellte. 
Die beiden oberen Schubladen riß er heraus, leerte den Inhalt auf den Teppichboden, kniete sich hin und wühlte in den weißen Blättern. Nico fand Reiseprospekte von Teneriffa, studierte sie aufmerksam und erklärte Teneriffa zu seinem nächsten Urlaubsziel. 
Es folgten weitere Schubladen, die alle auf dem Boden landeten, und irgendwann hielt er ein paar Seiten in Händen, ohne Datum, handgeschrieben, schwer zu lesen, ungewöhnliche Blätter. Er legte sie auf den Tisch und beugte sich darüber. Den Whisky in der Linken, versuchte Nico das Geschriebene zu entziffern, was nicht einfach war. Das erste Wort, das ihm auffiel, lautete ‚Herzversagen’. Offenbar war er auf der richtigen Spur, denn nach eben jenem Wort hatte er gesucht. Selbst Juri war nicht recht unterrichtet, worauf sich ihre Suche konzentrieren sollte. Aber Herzversagen spielte dabei eine Rolle, soviel jedenfalls war Nico bekannt. 
Nachdem seine Versuche gescheitert waren, noch weitere Worte zu verstehen, steckte er die Blätter in seine Hosentasche und begab sich zurück ins Wohnzimmer an die Bar. Die hämmernde Musik in den Kopfhörern diktierte sein Tun, seine Schritte, jede seiner Bewegungen. Er griff sich die Whiskyflasche, goß sich nach und stellte sich vor ein großes Bild im Wohnzimmer der Beckers, aufgehängt über einem eichenen Sideboard.
Es zeigte eine spärlich bekleidete junge Frau, die vor einem Spiegel ihr üppiges rotes Haar bürstete und dabei voller Hoffnung aus dem Fenster in die Sonne blinzelte. Die Konturen waren etwas verschoben, auch die Perspektive stimmte nicht, es sah aus, als hätte ein nervöses Kind dieses Bild gemalt. Grell und bunt gewählt waren die Farben; es traf nicht Nicos Geschmack. Er nahm einen kräftigen Schluck aus dem Glas und spuckte die braune Flüssigkeit auf das Gemälde, stets darauf bedacht, auch nicht einen Taktschlag seiner Musik zu versäumen.

   Nachdem die beiden Männer vorsichtig die Haustür aufgesperrt hatten, schlichen sie den unbeleuchteten Flur entlang und blieben zwei Schritte vor dem Türrahmen des erleuchteten Wohnzimmers stehen; …
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