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… “
Mehr sagte Bernd nicht. Beide ahnten, daß sie hier möglicherweise eine Tatwaffe gefunden hatten, die von der Polizei übersehen wurde; so sie denn überhaupt gesucht worden war. 
Ihr weiteres Stöbern brachte keinen Erfolg mehr, zudem senkte sich die Dunkelheit herab. Hermann löste den nervösen Hund von dieser ungeliebten Laterne, sie stiegen ein und fuhren davon; der Schürhaken lag im Kofferraum.
   Bis zu Rüdigers Wohnung waren es nur wenige Kilometer. Sie trafen ein, als die Nacht sich gerade anschickte, ihren durchlässigen finsteren Mantel über der Stadt auszubreiten. Rüdigers Wohnungsschlüssel waren in Hermanns Hosentasche fast heiß geworden, beinahe zu schwer, als daß sie länger darin verweilen konnten. Minutenlang schon hielt er sie in der Hand, begierig, endlich die Wohnung des Freundes zu öffnen.   
   Während der Fahrt hatten Bernd und Hermann ihre Vorgehensweise besprochen. Sie waren mit Rüdiger zwar eng befreundet, ein Recht in seine Wohnung zu gehen hatten sie dennoch nicht. Wie sollten sie sich rechtfertigen, wenn ein unverhoffter Fragesteller auftauchte? Ein Nachbar vielleicht, möglicherweise ein Verwandter? Seine Entführer gar - sollten Rüdiger und Ilona denn entführt worden sein. Diese Hirngespinste wucherten besonders in Hermanns Kopf, während sich Bernd mehr von seiner gewohnten Sachlichkeit leiten ließ. 
„Vielleicht kommen die Beckers gerade in diesem Moment zurück“, entfuhr es hoffnungsvoll seinen Lippen. „Möglicherweise erfahren wir dann mehr über diese ominösen medizinischen Umstände, von denen Rüdiger dir gegenüber nur Andeutungen machen konnte, wer weiß?“
   Der Audi näherte sich Rüdigers Anwesen, das Haus lag im Dunkel, alle Jalousien waren herabgelassen. Bernd hielt hinter einem Fahrzeug, das wenige Meter vor der Einfahrt parkte; ein alter Ford Escort. 
Die beiden Männer stiegen nicht sofort aus, etwas störte Bernd am Erscheinungsbild des Hauses. Und er konnte nicht einmal genau sagen, was es war. Scheinbar friedlich thronte das quadratische Einfamilienhaus auf dem mittelgroßen Grundstück, schien zu schlummern, wie die Natur rings umher. Sehnsuchtsvoll schien es auf den Frühling zu warten. Bernd aber spürte eine Gefahr ausgehen von diesem Gebäude, er hatte keine Erklärung dafür. Sein Bauch sprach zu ihm. Riet ihm: Sei vorsichtig. Beschwor ihn geradezu: Geh nicht hinein.
   Bernd kannte jenes Gefühl nur zu gut. Jahrelang war es während seiner Dienststunden ein ständiger Begleiter gewesen. …
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