„Hör endlich auf, dir ständig die Schuld zu geben!“
Ungewöhnlich scharf richtete Bernd diese Worte an den Freund, aber im nächsten Moment schon entschuldigte er sich dafür. Alle litten sie in letzter Zeit unter einer Gereiztheit, die nur allzu gut zu verstehen war.
„Wir hätten genauso gehandelt“, sagte Bernd bestimmt. „Keiner von uns würde sich einer ärztlichen Autorität widersetzen, vor allem dann nicht, wenn an einem Unfallort Erste Hilfe geleistet wird.“
Sein versöhnlicher Ton war es, der die Stimmung ein wenig aufzulockern versuchte, dabei faßte er Hermann, der neben ihm stand, um die Schulter und preßte ihn freundschaftlich an sich. Er sah die Tränen wohl, die Hermanns Augen füllten, umso entschlossener drückte er ihn.
Vera bat zu Tisch ins Eßzimmer, servierte die beiden Fasanen, die Walter in der letzten Woche vorbeigebracht hatte; ein letztes Geschenk an die Freunde. Knusprig gebraten lagen die beiden Hühnervögel auf der Servierplatte, eine Augenweide. Zudem hatte Vera sie mit einer südländischen Füllung versehen, die nach Muskat duftete, nach Rosmarin und Oregano, und die Bäuche der Vögel gehörig hatte anschwellen lassen. Die Gedecke für Edith und Walter lagen vor den freien Stühlen. Ein stummes Gedenken.
Gesprochen wurde nicht viel, Felix und Bernd saßen neben ihren Gattinnen, Vera zerteilte die Fasanen, Hermann öffnete eine Flasche französischen Rotweins aus der Gegend von Bordeaux und schenkte ein; die Freunde aßen schweigend. Felix war der erste, der versuchte, diese Trauergemeinde ein wenig aufzurütteln.
„Vera, darf ich dir ein Geheimnis anvertrauen?“ fragte er leise.
Erwartungsvoll hob die Gastgeberin den Kopf, hielt mit dem Essen inne und schaute ihn an. Felix kaute genüßlich weiter, sagte aber noch nichts. Seine Stirn legte sich jedoch in Falten, als setzte er in seinem Schädel gerade eine mathematische Formel zusammen.
„Ich wußte bis heute nicht“, begann er gemächlich, „wie gut ein Fasan schmeckt. Das Fleisch könnte man aufs Brot streichen, so zart ist es. Es bedarf eines Poeten, diese Steinpilzsoße zu beschreiben, die Kartoffelklöße und das Rotkraut zergehen auf der Zunge.“
Die so Gelobte bedankte sich für das Kompliment, genoß es geradezu. Die anderen nickten nur anerkennend, außerstande, auch nur annähernd vergleichbare Worte zu finden. …
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