„Rüdiger! Hilfe ...!“
Noch bevor der Wachmann aufmerksam werden konnte, hatte Juri den Gang eingelegt und Gas gegeben, das leise Rufen ging unter im Dröhnen des Dieselmotors. Beim Weiterfahren konnte Juri im Rückspiegel erkennen, wie sich der Pförtner vergeblich bemühte, die malträtierte Schranke wieder ordnungsgemäß zu schließen. Daß Juris ‚Passagiere’ aufgewacht waren, störte den nicht, gnadenlos lenkte er sein Fahrzeug in Richtung der haushohen Berge aus Altmetall.
Vor dem gewaltigen Backsteingebäude lagen verschiedenartige Schrotthaufen, unsortiert, mehr oder weniger wahllos hingekippt, Juri fuhr weiter. Immer neue Schrottberge türmten sich auf, schienen etwas besser geordnet, dazwischen Schrottpressen, bis der Laster sich schließlich einem langen Förderband näherte. Jenes Band transportierte für gewöhnlich Metalle, die für den Hochofen bestimmt waren, sorgfältig ausgewählt, von derselben Qualität. Im Moment war es nicht beladen, dennoch es lief.
In diesem Betrieb wurde Tag und Nacht gearbeitet, jetzt am Wochenende allerdings mit reduzierter Belegschaft. Unendlich langsam bewegte sich das schwarze Förderband schräg nach oben, in Richtung dieses hellen Scheins, der den dunklen Himmel erstrahlen ließ. Kein Arbeiter war in der Nähe zu sehen.
So dicht er konnte lenkte der Fahrer den Lastwagen neben das Transportband und stieg aus. Mit geübten Händen ließ der bärenstarke Juri die Heckklappe herunter, griff sich den ersten Sack und zerrte ihn von der Ladefläche direkt aufs Förderband, so leicht, als trüge er einen Sack Kartoffeln. Ohne Verzögerung folgte der zweite. Die bangen Hilferufe aus dem Innern der Säcke ignorierte er. Nach ein paar Sekunden lag die lebende Fracht auf der schmalen Gummidecke, wurde nach wenigen Metern von der Dunkelheit verschluckt und unaufhaltsam nach oben befördert.
Juri stieg wieder ein, setzte den Kipper mehrere Meter zurück, genau vor eine Schrotthalde, und stelle die Kippeinrichtung an. Ächzend setzte sich die Mechanik in Bewegung, langsam und mit einem bis ins Rückenmark dringenden Quietschen begann das Metall auf der eisernen Ladefläche nach unten zu rutschen.
Die beiden Menschen in den Säcken spürten, daß sie sich auf einem Transportband befanden, erneut erhoben sie ihre Stimmen um zu rufen. Abwechselnd manchmal, zuweilen gemeinsam, aber es gab niemanden, der ihre Schreie dort oben hätte hören können. Die Kälte war längst vergessen, beide zerrten an ihren Fesseln, traten um sich, wanden sich verzweifelt. …
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