Auf einem feinen Ledersessel nahe dem Kamin saß Rudolf Grabow, in der Hand ein wuchtiges, bis zur Hälfte gefülltes Whiskyglas, dessen Eiswürfel einen trockenen Klang erzeugten, wenn sie gegen die Wände des Glases stießen. Ihm gegenüber am Feuer stand Horst, nippte an einem Weinglas, und sein gehetzter Blick fiel auf Helen, seine bessere Hälfte, die am Wohnzimmerfenster beschäftigt war, wo sie den riesigen, beinahe mannshohen Madagaskarpalmen in der Hydrokultur ein paar Tropfen Flüssigdünger zukommen ließ.
Die beiden Männer unterhielten sich über Geld, über viel Geld! Horst schien ein wenig ungehalten, glaubte, sich vor Grabow rechtfertigen zu müssen, fürchtete gar um die Fortsetzung der bisher so guten ‚Beziehung’.
„Sie haben eben Glück gehabt“, unternahm Horst einen neuen Versuch. „Unglaubliches Glück, mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich weiß selbst, daß die Prämie nur im Erfüllungsfall gezahlt wird, aber ich habe mein Mögliches getan. In der Nacht vorher war ich noch selbst bei diesem Unternehmen gewesen, habe den Bus inspiziert und – durch den Mann, den Sie mir geschickt hatten, durch diesen … Nico, entsprechend manipulieren lassen. Er ist doch planmäßig verunglückt! Also. Kann man mehr tun?“
Grabow schwieg, nahm einen kräftigen Schluck Scotch und stellte das Glas hörbar auf den niederen Marmortisch vor seine Knie.
„Ich kenne alle ihre Gewohnheiten“, ging Horst in die Offensive, „ich bin einer von ihnen.“ Er zögerte kurz, dann korrigierte er sich. „Ich war einer von ihnen. Ich weiß, wann sie verreisen, wo sie spazierengehen, wo sie Sport treiben, einfach alles. Aus diesem Grunde arbeiten wir beide doch zusammen! Oder? Ich kenne ihre gesundheitlichen Probleme. Mann, 60 000.- Euro sind eine Menge Geld!“
„Im Vergleich zu den Beträgen, die wir eingespart hätten, ein Klacks!“, erwiderte Grabow nüchtern.
Grabow griff sich das Glas, nahm einen weiteren Schluck der bernsteinfarbenen Flüssigkeit, ließ sie einen Moment im Mund hin und her rollen und danach genießerisch die Kehle hinab rinnen. Sein lauernder Blick wanderte zu Horst hinüber, der ziemlich nervös am Kamin stand und hilfesuchend zur Decke hinauf starrte. …
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