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…  Die Medizin war in diesen Fällen machtlos. Es half kein Magenauspumpen, weil das Gift dieses Organ längst passiert hatte. Auch ein Blutaustausch nützte nichts. Alleine in Hamburg starben 379 Menschen, einige mehr noch in München. Niemand kannte bisher die Quelle der Vergiftungen, da die meisten Opfer dazu keine Angaben mehr machen konnten. Ein Rentner aus Hamburg, der die Attacke überlebt hatte, berichtete von einem Besuch auf dem dortigen Weihnachtsmarkt, ebenso zwei Frauen aus Düsseldorf. Ob sich daraus eine brauchbare Spur ergab, konnten die ermittelnden Beamten noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Ein Pilzgericht hatten die Zeugen nicht zu sich genommen.
   In einem anderen Artikel mußten die Odendahls eine weitere Horrormeldung lesen: Im Seniorenheim ‚Santa Anna’ starben in den letzten Tagen 16 Personen. An Herzversagen, wie es hieß.
„Aber das ist doch hier bei uns!“ rief Vera aus.
Hermann kannte das Heim, und mehr als einmal hatte er darüber nachgedacht, wo er und Vera wohl ihre letzte Bleibe finden würden, sollten eines Tages ihre Kräfte schwinden.
„Herzversagen!“ sprach er leise. „Ich kann es nicht mehr hören.“  
Von dem Seniorenheim einmal abgesehen, hatte es für ihn den Anschein, als konzentrierte sich der Sensenmann in den vergangenen Monaten hauptsachlich auf Personen im frühen Rentenalter, in seinem Alter! Während die Nachrufe in den Gazetten früher 80- oder 85 jährige betrafen, waren die Menschen, deren Namen man neuerdings lesen mußte, viel jünger.
Das Telefon schreckte die beiden auf. Hermann nahm den Ruf entgegen, es war Rüdiger. Und er klang sehr aufgeregt.
„Wenn ich dir jetzt sage“, begann er, „was ich über das ‚Herzversagen’ herausgefunden habe, Hermann, und über gewisse medizinische Praktiken hier bei uns …“, er zögerte kurz, „wirst du mir das nicht glauben!“
„Erzähl schon!“ bat ihn Hermann begierig.
„Nicht am Telefon.“
Rüdiger machte eine Pause, in der Telefonmuschel vernahm Hermann das Rascheln von Papieren, bevor Rüdiger weiter sprach. 
„Ich komme zu euch. Jetzt. Sofort. In zwanzig Minuten bin ich da!“ 
Damit legte er auf. Es war gegen 14 Uhr. 
   Rüdiger wohnte etwas außerhalb, zirka fünfzehn Autominuten entfernt. Als jedoch eine halbe Stunde verstrichen war, begannen Vera und Hermann sich zu sorgen. Sie warteten weitere dreißig Minuten, danach griff Hermann zum Telefon. Bei den Beckers meldete sich niemand; offenbar waren sie unterwegs. Und wahrscheinlich brachte Rüdiger seine Frau Ilona mit, wie die Odendahls vermuteten. …
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