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…  Die Frauen, die den Transport der Bänder überwachten, trugen saubere Kopftücher, Gummihandschuhe und glänzende Overalls von silbriger Farbe. In jenen Räumen herrschte eine sterile, eine staubfreie Atmosphäre; was bei der Empfindlichkeit der Objekte nicht verwunderte.
   Die Arbeit, welche die Angestellten zu verrichten hatten, war leicht. Sie sortierten die gläsernen Behältnisse, stellten die kleinen Fläschchen in flache Kartons, jeweils 200 Stück in einen. Diese Großpackungen wurden nicht an Apotheken geliefert, sie gingen ausschließlich an die Klinken im Lande. Bevor die Kartons geschlossen wurden, legte eine Mitarbeiterin noch mehrere Packungsbeilagen obenauf. Es handelte sich hierbei nicht um die üblichen, gesetzlich vorgeschriebenen Unterlagen, die jeder Lieferung beigefügt werden mußten. Sondern ein deutlicher, nicht zu übersehender Schriftzug, mit roter Farbe quer über das Papier gedruckt, unterschied jene Beilagen von den offiziellen. Sie enthielten den Hinweis, dieses Medikament möglichst nicht an Patienten unter 60 Jahren zu verabreichen. Die Fläschchen selbst trugen auf dem Etikett nur ein winziges Zeichen unten rechts. Mehr eine altgermanische Rune, einem Kreuz nicht unähnlich.
   Die Frauen dachten sich nichts dabei, für sie war ein Zettel wie der andere, gleichgültig, ob bunt bedruckt oder schwarz. Zudem konnten sie das Geschriebene nicht lesen, es waren durchweg Gastarbeiterinnen aus dem Osten. Die Kartons wurden schließlich verschlossen, mit numerierten Etiketten versehen und in ein geräumiges Regal gestellt. 
   Zweimal pro Woche fuhr ein PKW mit Berliner Kennzeichen vor den Eingangsbereich, ein Mann stieg aus, trug einige Stapel dieser Kartons in seinen Kofferraum und fuhr sogleich wieder ab. Sein Ziel war das Regierungsviertel von Berlin, genauer, das Gesundheits- ministerium. Er sprach mit niemandem, unterschrieb keine Empfangsbestätigung, wurde kaum beachtet. 
Unterdessen lief  bei der Vita Pharma AG die Produktion ohne Unterlaß weiter. 

***
   
  Wieder und wieder gab der Pförtner die Namen in den Computer ein, stets mit dem gleichen Resultat. Hermann trat von einem Bein aufs andere. Er konnte sich nicht erinnern, wann er sich zuletzt derart hilflos gefühlt hatte; beinahe in die Irre geleitet. 
„Nicht Bäcker, wie der Beruf! Becker, mit einem E! Rüdiger und Ilona!“ sagte er zum wiederholten Male und mußte sich zurückhalten, um nicht loszuschreien. 
Der Mann hinter der Glasscheibe blickte drein, als wollte er nicht verstehen, dennoch schien es, als gäbe er sich alle Mühe. …
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