A     A     A
…  Er steckte in einem Sack, seine Hände waren umwickelt mit einem Klebeband, das die Blutzirkulation behinderte. Dies war mit ein Grund, warum er sie kaum fühlte. Das gleiche war mit seinen Füßen passiert. Die Knie konnte er trotz des Sackes durchdrücken, stieß jedoch mit den Schuhen sofort an Hindernisse. Wo war er? Und wo war Ilona? 
„Ilona!“
Schwach, kaum hörbar rief er den Namen seiner Frau, aber nur ein tierisches Krächzen verließ seine Kehle. Er erhielt keine Antwort. Wie kam er hierher? Was war nur mit ihm geschehen? Lag er noch immer im verunglückten Bus? Nein, der Unfall mit dem Bus lag längere Zeit zurück. Das letzte, woran er sich erinnerte, war ein Überschlag mit seinem Wagen, und er sah sich kopfüber im Gurt hängen. Allmählich tauchten neue Bilder auf, ein Hund bellte. Ein großer grauer Hund. Hermanns Hund! Und nun sah er in seiner Erinnerung Hermann, wie er neben ihm kniete, und Vera, mit den Tränen kämpfend. 
Langsam begannen sich Rüdigers Gedanken zu sortieren, aber wie sehr er sich auch mühte, weiter als bis zu den Gurten, in welchen er verkehrt herum gehangen hatte, vermochte er nicht vorzudringen. Wieder rief er den Name seiner Gattin, wieder lauschte er vergeblich.
   Nur wenige Zentimeter neben ihm ergab sich ein ganz ähnliches Bild. Im zweiten Sack befand sich Ilona, gleichermaßen gefesselt, betäubt, unfähig sich zu erheben. Wie von ferne drangen die Rufe ihres Mannes an ihre Ohren; diesen aber gebrach es an der Fähigkeit, die Schallwellen bis zum Gehirn weiterzuleiten, um dort analysiert und begriffen zu werden. Von Zeit zu Zeit verspürte Ilona ein unangenehmes Stoßen gegen ihren Rücken, als kullerte ein schwerer Medizinball gegen ihren Körper und rollte nach einiger Zeit wieder weg. Irgendwann versuchte sie, diesen Ball mit ihrer Hüfte sofort wieder zurückzuschieben, aber er war schwerer als erwartet. 
   Rüdiger fühlte den Druck an seinem Becken und wußte sogleich: Er wurde ausgelöst von etwas Lebendigem außerhalb des Sackes! Er zog seine Knie an, erwiderte den Druck energisch und verspürte sogleich einen leichten Widerstand.
„Ilona! Ilona, bis du das?“
Nun erkannte die Frau die Stimme ihres Gatten, ganz nah war sie, aber sie klang dumpf, als hätte er die Hände vor dem Gesicht. 
„Wo bist du, Rüdiger?“
Ängstlich flüsterte sie die Worte in den Stoff des Sackes hinein, zu leise, als daß sie bis zu Rüdiger gelangen konnten, der nur einen halben Meter entfernt neben ihr lag. …
Diese Seite hat mir gefallen - weiter lesen
...war OK - weiter lesen
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen
  ◄ zurück blättern  
Beurteilen Sie den Text bitte fair.
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
340 Leser seit 1. Jan. 2026 für diesen Abschnitt

Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!
Gedankenaustausch: Hinterlasse dem Autor einen Kommentar.

Bitte Sicherheitskode links abtippen.