Männer wie Horst waren es, die einen wesentlichen Beitrag zu Grabows durchschlagenden Erfolgen beisteuerten. Mehrere hundert Versicherungsagenten hielt er in seinen Fängen. Natürlich zahlte er ihnen nicht die vollen Prämien aus, die der Staat, die Versicherungen und die Pensionskassen ihm selbst zukommen ließen. Das war in aller Regel ein ganzes Jahreseinkommen! Schließlich hatte Grabow noch weitere Zahlungen an seine aktiven Mitarbeiter zu leisten. Den größeren Anteil jedoch behielt er für sich, und sein Vermögen wuchs und wuchs.
Während seines Besuches hatte Helen das Zimmer nicht verlassen, sondern sich eingehend mit ihren Palmen beschäftigt. Erst jetzt, gegen Ende, näherte sie sich den beiden Männern, und ein beinahe glückliches Lächeln umspielte ihre rotgeschminkten Lippen. Sie zeigte sich zufrieden. Denn sie profitierte in hohem Maße von diesen eher ungewöhnlichen Einkünften ihres Gatten.
***
Glitzernder Schneeregen peitschte die Windschutzscheibe des schweren Lastwagens, der unbeirrt die breite Straße entlang ratterte, voll beladen mit Schrott. Die Außentemperatur betrug fünf Grad minus, für den Fahrer war allerhöchste Vorsicht geboten, denn der Regen gefror sofort auf dem Asphalt und bildete jenes berüchtigte Blitzeis, der Alptraum eines jeden Autofahrers. Hell flackerten die breiten Tropfen vor den Scheinwerfern auf, bevor sie am Boden zerplatzten, um sich sogleich in einen dünnen Eisfilm zu verwandeln.
Konzentriert steuerte der Fahrer den Laster in Richtung Ruhrgebiet. Es war späte Samstagnacht, das Führerhaus gut beheizt, das Radio meldete unentwegt Staus und Unfälle. Wie blanker Hohn ertönte jedesmal der abschließende Satz des Moderators: „Wir wünschen Ihnen eine gute Fahrt.“
Der Mann am Steuer zündete sich die nächste Zigarette an und versuchte, so gut es ging, die Staus zu umfahren. Durch seine dicke Brille studierte er bei eingeschalteter Innenraumbeleuchtung mögliche Umgehungsstraßen, Abkürzungen oder gar Umwege. Noch heute nacht mußte er sein Ziel erreichen.
Das unregelmäßige Klirren der metallenen Fracht im Rücken, fuhr Juri unaufhaltsam nach Norden. Der offene Kipper war beinahe bis zum oberen Rand gefüllt mit Autoteilen, Industrieabfall und sonstigem Altmetall, bereit zur Entsorgung, was in diesem Falle bedeutete, daß die Teile eingeschmolzen wurden. Es handelte sich ausschließlich um Stahl, und Juris Bestimmungsort war der Hochofen eines der letzten verbliebenen Stahlwerke des Reviers. …
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