A     A     A
…  Zudem wurden sie übertönt vom permanenten Gerumpel der metallenen Ladung, das den Transport von Beginn an begleitete, eine quietschende, rasselnde Kakophonie.
„Rüdiger! Wo bist du?“
Diesmal rief Ilona etwas kräftiger, und ihr Mann vernahm ihre Stimme.
„Ich bin hier! Neben dir. Ich kann …nicht aufstehen, meine Hände sind …gefesselt, ich stecke in einem Sack.“
Die beiden schwiegen, Ilona befand sich in der gleichen mißlichen Lage. Außerdem hatte sich ihr linker Ohrring im groben Stoff des Sackes verfangen, mit jeder Bewegung ihres Kopfes riß sie auch am Ohrläppchen und es blutete.
„Was ist mit uns geschehen?“ wollte sie wissen. „ Es ist so entsetzlich kalt.“
„Ich weiß es nicht. Mach dir keine Sorgen. Es wird alles gut werden.“
Mehr konnte Rüdiger im Moment nicht sagen, und er bezweifelte sehr, daß seine Worte der Gattin in dieser Situation tatsächlich Trost sein würden. An der Kälte litten sie beide am meisten. Durch den Regen war der Stoff der Säcke feucht geworden, anschließend steif gefroren, und nun rieb er bei jeder Bewegung wie Schmirgelpapier auf der Haut der Gefangenen, die zur Untätigkeit verdammt waren. 
   Von Ferne konnte Juri bereits das Fabrikgelände erkennen, den rötlichen Schein, den der weit über tausendfünfhundert Grad heiße Hochofen in den trüben Nachthimmel schickte. Wie ein virtueller Sonnenaufgang mutete er an, künstlich erzeugt in einem Filmstudio. Juri hielt genau auf die Lichtquelle zu. Der Eisregen hatte aufgehört und war einem leichten Schneefall gewichen, der in kurzer Zeit die Landschaft mit einer dünnen weißen Schicht bedeckte. Dadurch wurde die Straße noch gefährlicher.
   Juri fuhr auf das mittels einer Schranke gesicherte Tor zu, bremste, und der schwere LKW begann zu rutschen. Mit beiden Händen drehte Juri am Steuer, hatte aber keine Gewalt mehr über das tonnenschwere Gefährt. Der träge Kipper stellte sich quer und landete unsanft am heruntergelassenen Schlagbaum, den er gehörig verbog und aus der Verankerung riß. Eilig rannte der Torsteher herbei, schlitterte ebenfalls, stürzte, erhob sich, besah sich den Schaden und öffnete den Balken mühsam von Hand. Vorsichtig war Juri ausgestiegen, kümmerte sich kaum um den geknickten Schlagbaum, reichte dem Mann seine Ladungspapiere, der überflog sie kurz und gab sie ihm zurück. 
„Mensch, fahr bloß weiter!“ kam es ungeduldig über die Lippen des Torwächters, Juri stieg wieder ein.
„Ilona!“ drang es schwach von der Ladefläche. …
Diese Seite hat mir gefallen - weiter lesen
...war OK - weiter lesen
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen
  ◄ zurück blättern  
Beurteilen Sie den Text bitte fair.
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
327 Leser seit 1. Jan. 2026 für diesen Abschnitt

Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!
Gedankenaustausch: Hinterlasse dem Autor einen Kommentar.

Bitte Sicherheitskode links abtippen.