Der endlose Gang war menschenleer, alle Türen geschlossen, bis auf eine. Mattes Licht fiel durch den Türrahmen auf den sauberen Flur. Kurz davor blieb Hermann stehen und spähte hinein. Eine Schwester, gerade dabei, sich eine Zigarette anzustecken, saß an einem Tisch bei einer Tasse Kaffee, als Hermann anklopfte. Sie wendete erschrocken den Kopf, anscheinend hatte sie ihn nicht kommen gehört.
„Ja?“
Mehr sagte sie nicht. Sie nahm einen tiefen Zug aus der Zigarette, anschließend einen Schluck aus der Kaffeetasse und stand auf. Hermann, der Verzweiflung nahe, erklärte ihr sein Anliegen und den bedauerlichen Umstand, daß der Mann am Empfang offenbar nicht in der Lage war, seine Freunde hier in dieser Klinik ausfindig zu machen.
„Gestern, sagen Sie?“ fragte die junge Frau interessiert.
Hermann nickte müde. Sofort nahm sie sich den Stationsplan vor und studierte ihn konzentriert. Nach einer Weile schaute sie auf, sah Hermann an und sagte ruhig:
„Der Mann an der Pforte hat Ihnen die Wahrheit gesagt. Patienten dieses Namens sind hier nicht eingeliefert worden. Gestern nicht und nicht heute.“
Hermann rang nach Fassung.
„Aber wo sonst sollte man sie hingebracht haben, wenn nicht in die Unfallabteilung? Schließlich handelt es sich um einen Autounfall. Allerdings waren sie überhaupt nicht verletzt ...“
Obwohl sie gerade ihre wohlverdiente Pause genießen wollte, war die Schwester sehr hilfsbereit. Sie telefonierte zweimal, mit dem Ergebnis, daß auch ihr niemand Auskunft geben konnte über den Verbleib von zwei Patienten namens Becker! Noch nicht einmal Hinweise über eine etwaige Behandlung oder eine Untersuchung waren zu finden.
Gesenkten Hauptes verließ Hermann die Unfallabteilung, dumpfe Ratlosigkeit breitete sich in seinem Kopf aus. Die Ratlosigkeit jedoch wurde noch bei weitem übertroffen von dieser erdrückenden, von dieser lähmenden Furcht, das Leben seiner Freunde betreffend.
***
Der eindrucksvolle Bungalow am Stadtrand erstrahlte in hellem Glanz, gesiebtes Licht sickerte durch die beigen Gardinen und zeichnete ein zartes Muster in den dunklen Garten. Es war ein kalter Januarabend, verschwenderisch gab das knackende Kaminfeuer seine angenehme Wärme in den Wohnraum ab. …
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